Marokko – ein mystisches Land zwischen Atlantik, Mittelmeer und Sahara.
Unsere Motorradreise begann am Fährhafen Tanger Med und führte uns zunächst in die Hafenstadt Tanger an der Straße von Gibraltar. Schon am nächsten Tag tauchten wir in die Altstadt von Fès ein,
ließen uns von den betörenden Düften, den leuchtenden Farben und dem vielstimmigen Gewirr der Gassen mitreißen. Es fühlte sich an wie der Schritt in eine andere Welt – ein kleiner Kulturschock,
der die Sinne weckt.
Marrakesch verzauberte uns mit dem berühmten Platz Djemaa el Fna und der eleganten Koutoubia-Moschee. Zwar hat der alte Zauber der Stadt unter dem Ansturm der Touristen etwas gelitten, doch nur
ein paar Gassen abseits des Trubels wird es stiller, und die Faszination Marrakeschs entfaltet sich wie ein geheimes Versprechen.
Am nächsten Morgen brachen wir im ersten Licht auf: Unser Ziel war der 2.260 Meter hohe Tizi-n-Tichka-Pass, das Tor zur Südseite des Hohen Atlas. Gleich hinter der Passhöhe zweigt die schönste
Strecke überhaupt von der Hauptstraße ab. Sie folgt dem salzhaltigen Assif Mellah und windet sich durch karge Täler und leuchtende Oasen bis nach Aït-Ben-Haddou, dem UNESCO-Welterbe. An diesem
magischen Ort blieben wir über Nacht, um die unvergleichliche Stimmung des Sonnenuntergangs aus nächster Nähe zu erleben.
Am folgenden Tag ging es weiter gen Süden, dem Rhythmus des fruchtbaren Draa-Tals folgend, bis in die Wüstenoase Zagora. Tausende Dattelpalmen lassen die karge Umgebung vergessen, und zwischen
den Feldern murmeln kleine Wasserläufe im Schatten – ein leises Wunder inmitten der Weite.
Von der Steinwüste in die Sandwüste: Wir hielten Kurs nach Osten und erreichten nach einer langen, staubigen Etappe Merzouga, am Fuß des Erg Chebbi. Vor uns erhoben sich die vom Wind gezeichneten
Dünen, bis zu 150 Meter hoch – ein bewegtes Meer aus Gold, das den Horizont verschluckt.
Dann hieß es Abschied nehmen vom tiefen Süden Marokkos. Über den östlichen Teil des Hohen Atlas, vorbei an kargen Höhen und kalten Pässen, erreichten wir Meknès, eine weitere Königsstadt, deren
Geschichte in den Toren und Mauern nachhallt.
Am nächsten Tag wartete ein letzter Farbrausch: Chefchaouen, die „Blaue Stadt“ im Norden. In der verwinkelten Altstadt dominiert das Blau in allen Schattierungen – himmlisch, kühl, tröstlich –
und macht jeden Schritt zu einem neuen Bild.
Schon einen Tag später war es Zeit, wieder an Bord zu gehen. Nach 61 Stunden auf See liefen wir in Genua ein – Europa empfing uns, doch der Sand Marokkos knirschte noch in den Stiefeln, und der
Ruf der Wüste klang uns weiter im Ohr.