Südamerika - Der Blog

Fast ein Jahr (von Mai 2015 bis April 2016) war ich mit meinem Motorrad in Südamerika unterwegs. Viele Länder habe ich gesehen, viele Menschen getroffen und ins Herz geschlossen. Viele, nein unzählige, Eindrücke durfte ich erleben, genießen und mit der Kamera festhalten. Ein Jahr in dem auch ich mich verändert habe. Gelassenheit, tiefen Respekt für die Menschen und ihr einfaches Leben und Dankbarkeit sind es wofür ich mehr als dankbar bin. Die ganze Geschichte meiner Reise, als Zusammenfassung des Blogs, gibt es nachstehend zu erleben und zu genießen. Kommt mit auf die besondere Reise. Und wie in einem Blog ist das neueste ganz oben. Zum Start scrollt einfach gaaaaaaaaanz runter.


 

 

Nach vielen Wochen des "Getrennt lebens" :-) ist nun meine treue Gefährtin, meine 650er BMW wieder zuhause.

 

Im HHLA Überseezentrum in Hamburg konnte ich sie fast unversehrt wieder in die Arme schließen. Nur ein kleiner Transportschaden, ein herausgerissener Blinker, war zu beklagen. Also praktisch Nichts.

 

Nun geht es in einer ganz gemütlchen drei Tagestour gemeinsam zurück an den Bodensee.


 

 

Fast zwei Wochen konnten wir das Südseeparadies, die Osterinsel, genießen. 

 

Besonders schön war es in den gemütlichen Rhythmus des besonderen Insellebens eintauchen zu können. Alles geht langsamer vor sich. Für Alles ist Zeit. Und es ist viel Zeit zum Lachen und zum einfach das Leben zu genießen. Es wird schwierig sein sich wieder an die "normale" Hektik in Europa zu gewöhnen.

 

Diese Insel übt einen ganz besonderen Charme aus. Es sind nicht nur die mythischen Steinfiguren, die Moais oder die wilden Küsten. Es ist auch der Palmen gesäumte Strand von Anakena, der einfache Markt an der Hauptstraße, es sind vor allem die Menschen mit ihrem verzaubernden Lächeln.


 

 

Heute machten wir kurz nach Sonnenaufgang, um 8.30 Uhr, den ersten Motorradausflug.

 

Auf unserer Yamaha XTZ 250 fuhren wir entlang der rauen Küste zum erloschenen Vulkan Rand Raraku. Hier wurden die tonnenschweren Moai aus dem Gestein am Abhang herausgearbeitet. Wie die riesigen Skulpturen dann an ihre bis zu 20 Kilometer entfernten Aufstellorte gelangt sind ist bisher nicht schlüssig erklärt worden. Viele abenteuerliche Theorien gibt es darüber. Keine davon kann aber mit Sicherheit als richtig angesehen werden. So bliebt viel Raum für Phantasie.

 

Direkt am Ufer des Pazifischen Ozeans befindet sich eine besonders beeindruckende Kulturstätte. Es sind die fünfzehn Moai von Tongariki, die einen der größten Ahu, eine Zeremonialplattform, bilden.


 

 

Wir sind  auf der Osterinsel, einer Insel die 4.000 Kilometer vom nächsten Festland, dem südamerikanischen Kontinent entfernt, mitten im Pazifischen Ozean, sich befindet. Nach Westen sind es sogar 4.300 Kilometer bis zur nächsten größeren Insel Tahiti. 

 

Nur 5.900 Menschen leben auf der gerade einmal 24 Kilometer langen und 13 Kilometer breiten Insel. Ihren Namen verdankt sie dem Niederländer Jakob Roggeveen, der am Ostersonntag, dem 5. April 1722 auf ihr landete. Er nannte sie nach dem Tag der Entdeckung Paasch-Eyland, Osterinsel.

 

 

Bekannt ist die Insel vor allem wegen ihrer monumentalen Steinskulpturen, den Moai. Über 1.000 Statuen sollen es einmal gewesen sein. Der deutsche Pater Sebastian Englert (1888 - 1969) zählte, nummerierte und katalogisierte 638, eine spätere Studio zählte 887 Stück. Ein modernes Museum auf der Insel ist dem Schaffen von Pater Englert gewidmet.

 

Ab morgen werden wir die Insel mit unserem Motorrad, einer 250er Yamaha, erkunden und dabei auch an die kaum beachteten Zeremonial-Plattformen im Norden der Insel fahren.

 


 

 

Es war ein kleiner Abschied für sechs bis acht Wochen. Gestern habe ich meine treue Begleiterin zur Container-Verschiffung nach Hamburg abgegeben.

 

Nachdem die notariellen Papiere für die Ausfuhr im Büro der Spedition in Valparaiso erledigt waren, was im übrigen sehr schnell und sehr einfach geschah, musste ich rund 20 Kilometer außerhalb der Hafenstadt ein großes Containerterminal aufsuchen. Auch dort war die Abwicklung schnell, professionell und sehr zuvorkommend erledigt worden. Doch dann, als ich mein Motorrad so einsam in der Halle stehen sah, kamen mir spontan die Tränen. Keine Wunder, waren wir doch die letzten zehn Monate über 40.000 Kilometer zusammen. Ohne Probleme, ohne Pannen, ohne Defekte. Ich werde sehr glücklich sein, wenn ich bald meine BMW in Hamburg wieder umarmen kann.

 

Aber das Motorrad-Abenteuer Südamerika geht weiter: 4.000 Kilometer westlich von Valparaiso, mitten im Pazifischen Ozean.


 

 

Valparaiso ist eine Stadt der Gegensätze.

 

Mal steil, mal flach. Mal bunt, mal grau. Mal gefährlich, mal sicher. Mal schmuddelig, mal sauber. Mal provinziell, mal Großstadt. Mal traurig, mal freudig. Und es ist die heimliche Hauptstadt des Graffiti.

 

In und rund um Valparaiso wohnen mehr als eine Million Menschen. Seit dem Jahr 2003 ist die Altstadt von Valparaiso Unesco-Weltkulturerbe. Sehenswert sind auch die vielen Schrägaufzüge, die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammen. Viele davon sind seit dieser Zeit immer noch in Betrieb. 

 

Das Fahren mit dem Motorrad ist hingegen "so eine Sache". In der Unterstadt ist der Verkehr und das Gehupe der Busse mörderisch. In den anderen Stadtbezirken sind die Straßen teilweise so steil, dass selbst bei langsamer Bergabfahrt, im ersten Gang, das Hinterrad rutscht.


 

 

Mitten in Santiago de Chile war es soweit. 45.435 Kilometer zeigte der Tachometer.

 

Vor genau 40.000 Kilometer habe ich am 10. Juni letzten Jahres zum ersten mal südamerikanischen Boden befahren. In Montevideo, nach meiner 33-tägigen Seereise, startete ich dort mit einem Tachometerstand von 5.435 Kilometern. Es waren aufregende Monate und Wochen. Es waren oft lange und anstrengende Strecken. Und doch möchte ich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, keinen einzigen Kilometer des Abenteuers Südamerika missen. Doch das Abenteuer geht weiter.

 

Und immer noch läuft meine treue Begleiterin, meine G 650 GS Sertao, wie am ersten Tag. Sogar die erste Kette ist, dank Scotoiler-System noch recht gut. Nur eine einzige Schraube habe ich unterwegs verloren und einmal musste das Lenkkopflager gewechselt werden. Eine wirklich sehr zuverlässige Maschine die, dank Touratech Suspension Federbein, die üblen Schottenpisten im Süden Patagoniens souverän weggesteckt hat. Und auch mir geht es unglaublich gut. Ich fühle mich gesundheitlich nochmals besser als vor der Abfahrt Ende Mai 2015. Einzig an den Handballen hat sich ein wenig Hornhaut gebildet.


 

 

Heute habe ich die Lenkstange meines Motorrades, meine Motorradjacke und die Straße eingetauscht gegen Bergstiefel, Steigeisen, Eispickel und den Vulkan Villarrica, Nur, von meiner Touratech Außenjacke wollte ich mich dann doch nicht trennen.

 

Es war ein für mich fast unbekanntes Terrain. Noch nie hatte ich Steigeisen an. Doch gerade das Gehen mit Steigeisen über das Schnee- und Eisfeld hat unglaublich Spaß gemacht. Überall am Vulkan sind noch die Spuren des Ausbruches vom 3. März und 23. März 2015 zu sehen. Doch im Moment verhält er sich friedlich und dampft nur vor sich hin.

 

Jetzt wieder zurück in Pucón bin ich allerdings ziemlich fertig. Ein heiße Dusche und die Aussicht auf ein leckeres Abendessen lassen jedoch meine Lebensgeister wieder munter werden.


 

 

Es war heute eine wunderschöne und entspannende Fahrt von Bariloche entlang der östlichen Ausläufer der Anden.

 

Stets konnte ich am Horizont die hohen, teils schneebedeckten Berggipfel in der Ferne erspähen.

 

Der Höhepunkt jedoch war die Fahrt durch den kleinen Nationalpark an der Grenze zu Chile. Nicht nur der Blick auf den 3.747 Meter hohen Vulkan Lanin ist atemberaubend. Auch die wie aus einer anderen Welt stammenden Araukanien Bäume sind faszinierend. 

 

Der Vulkan Lanin gilt als erloschen. In der Sprache der Mapuche bedeutet "Lanin" so viel wie "erstickt"


 

 

Nach zwei "Verbindungsetappen" bin ich gut und fit in San Carlos de Bariloche angekommen. Diese Stadt ist die argentinische Touristenhochburg im nördlichen Patagonien. Unzählige Hotels und Gasthauser finden sich in der schönen Stadt am See.

 

Meine Etappen waren zwar ziemlich lang, doch insgesamt gut machbar. Gestern waren es 779 Kilometer bei permanent 5 Grad Kälte, Dauerregen und böigem Rückenwind. Heute: bin ich sogar 858 Kilometer gefahren. Morgens als ich losfuhr hatte es nur 2 Grad und erst nach 3 Stunden fahrt konnte die Sonne für etwas Erwärmung sorgen. Jetzt abends in Bariloche hat es moderate 19 Grad. Sonnenschein und stürmischer Gegenwind begleiteten meine heutige Fahrt. Und so hoch wie heute war mein Benzinverbrauch noch nie. Aber es ist ja keine Wunder. Fahre ich mit 90 km/h und bläst der Gegenwind mit 60 bis 70 km/h, dann ist dies als würde ich die ganze Zeit zwischen 150 und 160 km/h fahren.


 

 

Es war ein langer aber dennoch abwechslungsreicher Tag:

 

570 Kilometer Strecke

130 Kilometer Schotterpiste

440 Kilometer Asphaltstraße.

 

Zwei Grenzübergänge:

1. von Argentinien nach Chile und

2. von Chile wieder nach Argentinien.

 

Dazu eine ruhige Fährüberfahrt über die Magellanstraße.


 

 

Die Ruta 3 endet wenige Kilometer südwestlich von Ushuaia im Parque National Tierra del Fuego. 

 

Bei herrlichem Wetter genießen wir den Blick über den Beagle Kanal hinüber auf den chilenischen Teil von Feuerland.

 

Und wir machen einen Besuch bei der kleinen Schmalspurbahn. Diese Eisenbahn gilt als die Südlichste der Welt. Daher kommt auch ihr Name "El Tren del Fin del Mundo", der Zug am Ende der Welt.


 

 

Wir sind in der südlichsten Stadt der Welt. Wir blicken über den Beagle-Kanal hinüber in die südlichen Gebirgsinseln von Feuerland. Für uns und unsere Motorräder geht es nur noch wenige Kilometer weiter. Morgen werden wir das berühmte Schild "Fin del Mondo" besuchen.

 

Ushuaia, eine Stadt mit fast 60.000 Einwohnern, ist die Hauptstadt der argentinischen Provinz "Tierra del Fuego", Feuerland. 

 

Die Stadt ist einerseits Hafenstadt mit einem Containerhafen, andererseits auch sehr touristisch geprägt. Alle Kreuzfahrtschiffe die Patagonien besuchen, legen im Hafen von Ushuaia an. Wenn sich dann über 3.000 Touristen in den wenigen Straßen tummeln ist es mit der beschaulichen Gemütlichkeit der Stadt dahin.


 

 

Die ganze Nacht hat es geregnet und gestürmt. Doch als wir aufstehen hört der Regen auf und der Wind flaut ein wenig ab.

 

Doch bereits am Fähranleger bläst uns wieder Sturm ins Gesicht. Und so beschließen wir in jedem Fall meine Tabletten gegen Seekrankheit, Stugeron, zu nehmen. 

 

Die Fähre schwankt gewaltig, wenn wir quer zur Windrichtung fahren. Doch der Kapitän kennt sein Revier und steuert sein Schiff geschickt durch die verschiedenen Wellenbereiche in der aufgewühlten See. Obwohl die Fahrt nur zwei Stunden und zwanzig Minuten dauert sind wir froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Seekrank sind wir zum Glück nicht geworden.

 

Auf schnell zu fahrender Schotterpiste steuern wir durch die menschenleeren Steppen auf denen schon längst keine Bäume mehr wachsen. Nur kurzes, hartes Gras wächst hier und bietet den weidenden Schafen ein kärgliches Essen. Als wir uns der chilenische-argentinischen Grenze näher hat der Wind wieder auf Orkanstärke aufgefrischt. Stets gegen den Wind stellen wir unsere Motorräder ab. Die eigentlichen Grenzformalitäten sind in weniger als einer halben Stunde erledigt. Ab der argentinischen Grenzstation haben wir wieder Asphalt unter unseren Rädern. Doch an schnelles Fahren ist nicht zu denken, zu stark bläst der Wind.


 

Nach vielen Kilometern durch den rauen Süden Patagonien sind wir an der Magellan-Straße angekommen. 

 

Hier, von Punta Arenas aus, können wir schon die Umrisse von Feuerland sehen. Zum Glück ist der Wind ziemlich abgeflaut und es sind nur noch 6 bis 7 Windstärken, denn morgen werden die Magellan-Straße in einer zweieinhalb stündigen Fährüberfahrt befahren.

 

Punta Arenas, heute eine Stadt mit über 117.000 Einwohner, war einst das Zentrum des chilenischen Wollhandels, dem sie auch ihren Reichtum verdankte. Ein Familie, die der Braun-Menéndez, ragt hier besonders hervor. Diese Familie hatte Ländereien mit über drei Millionen Hektar, was in etwa der Größe Belgiens entspricht. Von Sara Braun Hamburger wurde auch das sehenswerte Eingangsgebäude zum Friedhof der Stadt 1919 gestiftet. Viele Grabinschriften sind nicht auf Spanisch verfasst, sondern auf Deutsch, Englisch und Kroatisch.


 

 

Heute war das Motorradfahren alles andere als schön. Heftige Sturmböen fegen seit gestern über und durch den Torres del Paine Nationalpark.

 

Heute galt es so zu fahren, dass wir nicht von der Piste gefegt wurden. Dazu sind die Pisten, jetzt am Ende der Saison, fürchterlich ausgefahren und bestehen fast nur noch aus üblem Waschbrett.

 

Doch waren die Eisberge im Lago Grey diese Anstrengungen wert. Türkisblau erschienen sie wie Wesen aus einer anderen Welt. Welch wunderschöne Kunstwerke kann die Natur erschaffen. Einzigartig und doch vergänglich.

 

Die drei Granitberge, Torres del Paine, sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Bis zu 2.850 Meter sind sie hoch. 


 

 

Wir haben unglaublich Glück. am Perito Moreno Gletscher. Wir konnten ein Jahrzehntereignis erleben. Ein Eiskathedrale, die heute Nacht oder Morgen einstürzen wird. Wir sind überwältigt. 

 

Und wir haben wieder Glück mit dem Wetter. Sternenklar war die Nacht. Unsere Motorräder waren heute morgen eingefroren, denn es hatte minus zwei Grad um Acht Uhr morgens. Doch bereist nach einer Stunde wärmten uns die Strahlen der Sonne auf unserem Weg nach El Calafate.

 

Von dort fuhren wir sofort weiter zum 80 Kilometer entfernten Perito Moreno Gletscher. Tausende Menschen tummelten sich auf den vielen Stegen und Aussichtsplattformen. Denn alles will das Einstürzen der einzigartigen Eiskathedrale live erleben. Sogar einige Fernsehanstalten haben ihre Kameras aufgebaut. Wir wir später im TV gesehen habe,n ist jedoch bis zum späten Abend noch nichts passiert. 

 

Und wir besuchten das Denkmal für den berühmten Patagonien-Flugpionier Günther Plüschow. In Deutschland längst vergessen ist er in Argentinien ein Held. Genau an dieser Stelle verunglückte er am 28. Januar 1931 zusammen mit seinem Copiloten Ernst Dreblow tödlich.

 

 


 

 

Nach einer von Orkanböen (laut Meteorologischem Institut 80 - 100 km/h) begleiteten, schwierigen Schotterpassage sind wir im Trekking Zentrum in den argentinischen Anden, dem Ort El Chalten, angekommen. Jetzt, in der Nachsaison, ist es ruhig im Ort. Doch die Liste der Unterkünfte zeigt, dass im Hochsommer mit gewaltigen Touristenmengen gerechnet wird. 14 Herbergen, 7 ApartHotels, 7 Campingplätze, 14 Cabañas Anbieter, 3 Jugendherbergen, 24 Pensionen und 11 Hotels sprechen für sich. 

 

Verstehen kann man diesen Run auf El Chalten sehr gut, denn das Bergmassiv des Fitz Roy ist in seiner majestätischen Schönheit kaum zu überbieten. Gleich einer großen Felsnadel erhebt sich der Berg bis auf 3.405 Meter Höhe. Genauso atemberaubend und sogar noch bizarrer ist der südlich gelegene Cerro Torre mit 3.102 Meter Höhe. 

 

Der europäische Forschungsreisende Perito Moreno sah diesen Berg zum ersten mal im Jahr 1877. Nach dem Kapitän des Forschungsschiffes HMS Beagle, mit dem Charles Darwin um die Welt reiste, benannte er diesen markanten Berg. Heute ist der Fitz Roy die Hauptattraktion im Nationalpark "Los Glaciares".

 


 

 

Zwei Grad zeigt das Thermometer als wir die Motorräder beladen. Kein Wunder, war es doch sternenklar gewesen. Dafür werden wir mit einem magentafarbenen Morgenrot verwöhnt welches den östlichen Himmel komplett einfärbt.

 

Das Frühstück ist schon am Vorabend für alle Gäste bereit gestellt worden, auch Butter, Käse und Schinkenwurst. Doch dies hat für uns auch einen Vorteil, denn so kommen wir recht zeitig los. Um 7.45 Uhr starten wir die Motoren um auf der Carretera Austral Richtung Norden zu fahren. Richtung Norden deshalb weil der Grenzübergang nach Argentinien nördlicher liegt.

 

Bis zum Abzweig am Lago General Carrera sind es rund 70 Kilometer auf der uns schon bekannten Schotterpiste. Von dort zweigt die Straße nach Osten ab. Immer am Südufer des Sees werden uns atemberaubende Szenerien geboten. Oft, sehr oft halten wir um Fotos zu machen oder um einfach dieses Geschenk zu genießen an diesen wunderschönen Orten sein zu dürfen.  Zwischen sehr guter Erdpiste bis zu Waschbrettschotterstraßen reicht die Palette, die uns fahrtechnisch sehr viel abverlangt. Besonders an Anstiegen ist es schwer vorwärts zu kommen während das Hinterrad immer wieder durchdreht und auf das eine oder andere mal eingefangen werden muss.

 

Dann kommt das erlösende Hinweisschild, dass es nur noch sieben Kilometer bis zur chilenischen Grenzstadt Chile Chico sind. Die Grenzformalitäten gehen sowohl auf chilenischer als auch argentinischer Seite sehr schnell. Kaum 45 Minuten benötigen wir den Grenzübertritt und haben dazu noch mächtigen Spass mit den Zöllnern. Aber jetzt genießen wir, nach über 1.100 Kilometern Schotterpiste, den Luxus eine asphaltierten Straßen. Wir schweben förmlich zu unserem heutigen Etappenziel, der Kleinstadt Perito Moreno.

 


 

 

Das kleine 600 Einwohner Dorf Villa O'Higgins markiert das Ende der legendären Carretera Austral. Von hier geht es bis an das absolute Ende, am Lago O'Higgins, noch sieben Kilometer. 

 

1.150 Kilometer sind wir gefahren bis zu diesem magischen Punkt. Für uns ist es ein Gefühl als wären wir gleichzeitig am Nordkap und am Cap Finisterre. Das besondere der Strecke ist, dass ziemlich genau 60 Prozent Schotter- Erd- und Lehmstraßen sind. Garniert wird dieses Menü zusätzlich durch bis zu 30 Kilometer lange Baustellen in denen höchste Konzentration gefordert ist. Mehr als einmal mussten wir beim fahren etwas zaubern, was sicherlich nicht sehr elegant ausgesehen hat, uns aber sicher durch diese Bereiche brachte.

 

Hinter jeder Kurve warteten neue Ausblicke auf atemberaubende Landschaften. Seien es die weißen und türkisfarbenen Gletscher der hohen Berge, die tiefblauen Bergseen oder die reißenden Flüsse, wir können uns nicht sattsehen an diesem Geschenk der Natur. 

 

Doch die Carretera ist mehr als eine Straße, diese Straße macht Reisende zu Bekannten, diese Straße vereint Fahrradfahrer, Backpacker und Motorradfahren. Immer wieder treffen wir die gleichen Menschen. Viele Gespräche am Rande der Straße und die Herzlichkeit der Menschen durften wir erleben und genießen. Dies ist der wahre Geist der Carretera Austral.

 

Nun gönnen wir uns im Dorf eineinhalb Tage Pause. Beschaulich geht es zu, Ein paar Cabañas, ein paar Hosterias, zwei Restaurants, drei Dorfläden und eine niedliche Holzkirche gibt es. Da Villa O'Higgins jedoch für Chile eine strategische Rolle spielt, wird kräftig investiert. So gibt es neben einer Landebahn, ein Flughafengebäude welches in vier Wochen eröffnet wird, eine große Polizei- und Zollstation, einen Militärposten, ein kleines Krankenhaus, eine neue Kanalisation, eine neue Schule mit großer Turnhalle und einen wunderschön hergestellter Dorfplatz. 


 

 

 

100 % Spaßfaktor.

 

Der Tag 4 auf der Carretera Austral schenkte uns eine herrliche Schotterstrecke inmitten atemberaubender Landschaft.

 

Doch nur ein Drittel der heutigen Etappe war ungeteert. Ein schwieriges Stück war dabei die Passstraße südlich von Puyuhuapi. Im Tal wieder angekommen überraschte uns dann ein makelloses Asphaltband welches bis zur großen Stadt Coyhaique hervorragend ausgebaut war.

 

Coyhaique, eine erst 1929 gegründete Stadt hat heute rund 45.000 Einwohner. Forstwirtschaft, Abbau von Zink und der Tourismus sind die hauptsächlichen Wirtschaftsfaktoren der Hauptstadt der Región de Aysén.

 

Patagonien ist landläufig bekannt für seine tiefen Temperaturen. Typisch für diese Region und diese Jahreszeit sind jedoch die großen Unterschiede. So hatte es heute morgen nur 3 Grad. Im Laufe des Tages stiegen die Werte bis hin zum Nachmittag auf über 25 Grad.


 

 

Der Tag 2 und 3 auf der Carretera Austral brachte uns ein bisschen Nieselregen, ein bisschen starken Regen und viel Sonnenschein. Garniert mit viel Schotterstrecken, erstaunlich viel Asphaltstraßen und kniffeligen, langen  und schwierig zu durchfahrenden Baustellenbereichen. 

 

Diese Straße in den Süden Chiles erwies sich als äußerst schwierig zu bauen, da die Landschaft von Fjorden und Gletschern und Gebirgszügen durchzogen ist.

Mehr als 20 Jahre wurde an der Straße gebaut. Die reine Nord-Süd-Route erwies sich als technisch unmöglich. So führen rund 1150 km von Norden nach Süden und rund 229 km von West nach Ost. Der nördliche Teil zwischen Puerto Montt und Chaitén ist noch nicht fertiggestellt. Deshalb fährt zwischen Hornopirén und Caleta Gonzales eine Fähre.

Der Bau kostete rund 200 Millionen US-Dollar. Trotzdem sind weite Teile nur einfache Schotterpisten; die Wartung und Pflege erweist sich als aufwändig. Doch die Zeiten der Schotterpisten werden Ende 2018 größtenteils vorbei sein. Ein nochmal gigantisches Bauprogramm zur kompletten Asphaltierung ist in vollem Gange. Für uns jedoch sind gerade die Baustellenbereiche eine große Herausforderung. Von Schlammdurchfahrten bis zum weichen, tiefen Schotter reicht die Palette der Schwierigkeiten.


 

 

Seit heute heißt es: Dos motos - Dos locos - Un destino. Scherzhaft: Zwei Motorräder - Zwei Verrückte - Ein Ziel.

 

Die erste Etappe auf der Ruta 7, der legendären Carretera Austral, habe ich mit meinem Freund Marcus und seiner BMW G 650 GS Sertão zurückgelegt. Innerhalb weniger Kilometer änderte sich Landschaft von hügeligem Agrarland in eine raue Küstenlandschaft mit tiefen Buchten, Dunklen kalten Regenwäldern und riesigen Farnpflanzen. Nur wenige Kilometer waren auf der heutigen Etappe noch reine Schotterstraße. Viele Kilometer sind bereits neu asphaltiert. Wer also die "ursprüngliche" Carretera Austral erleben will, sollte sich beeilen. Unaufhaltsam frisst sich die Aspaltierunsmaschine Kilometer für Kilometer vorwärts. Kilometer um Kilometer Schottenstrecke verschwinden.


 

Für meine treue Begleiterin, meine -BMW G 650 GS Sertão, gab es heute ein Verwöhn- und Wellnessprogramm:

 

Neue Reifen bekam sie und einen Ölwechsel mit Ölfilterwechsel.

 

Erstaunlich ist, wie lange die Reifen gehalten haben. Genau 17.084 Kilometer sind es her, seit ich in Lima das letzte mal neue Reifen bekommen habe. Ein paar hundert Kilometer wären durchaus noch gegangen, allerdings war das Fahrverhalten mittlerweile durch den eckigen Querschnitt in Kurven nicht mehr so gut.

 

Für mich gab es ein Kulturprogramm. Bei einem Spaziergang durch das Zentrum der Stadt Osorno wandelte ich auf den Spuren uralter deutscher Auswanderergeschichte seit den 1846 Jahren. Damals prägten insbesondere deutschsprachige Einwanderer die Region. So wurden in Osorno eine deutsche Kirche und eine deutsche Schule errichtet. Die Einwohnerzahl im Jahr 1875 betrug 1895 Personen, meist Deutsche. Das „Instituto Alemán de Osorno“ (Deutsche Schule Osorno) feierte im März 2004 sein 150-jähriges Bestehen. Direkt an einer der Hauptstraßen steht das wunderschöne Holzhaus der Schule. In Osorno wird überdies die deutschsprachige Zeitung „Cóndor“ vertrieben.

 

Und ...... auf den guten alten Leberkäse-Wecken muss ebenfalls nicht verzichtet werden.


 

 

Die Stadt Puerto Varas, der See Llanquihue und der über allem thronende Vulkan Osorno ergeben eine landschaftlich wunderschöne Kombination im Süden Chiles.

 

Direkt aus dem See steigt der Vulkan von 70 Meter auf 2.652 Meter an. An seiner Spitze sind große Gletscher- und Schneegebiete, die auch im Sommer nicht abtauen.

 

Der Lago Llanquihue ist mit 877 km² der zweitgrößte See Chiles (zum Vergleich, die Fläche des Bodensees beträgt etwa 536 km²).

 

Die Stadt Puerto Varas ist ein wahrer Touristen-Hotspot mit unzähligen Hotels, Hostels und Ferienwohnungen. Unübersehbar ist auch der deutsche Einfluss der ab 1846 eingewanderten Deutschen. Viele deutsche Namen an Restaurants und Hotels finden sich hier. Und ganz in der Nähe meines Hostal hat der "Club Alemán", der hier auch "Deutscher Verein" heißt, seinen Sitz.


 

 

Bei strahlendem Sonnenschein bin ich nun in Valdivia angekommen.

 

Eine Stadt im Süden Chiles, ungefähr 15 Kilometer vom Pazifik entfernt mit rund 150.000 Einwohner und einer bekannten Brauerei. Die Compañía Cervecera Kunstmann SA ist eine chilenische Brauerei in Torobayo bei Valdivia. Seit den 1960er Jahren braut hier die Cerveceria Kunstmann Bier, nachdem die 1851 gegründete Anwandter-Brauerei auf der Isla Teja beim großen Erdbeben von Valdivia 1960 (Stärke 9,5) zerstört worden war.

 

Dieses Erdbeben war das Beben mit der weltweit größten jemals aufgezeichneten Magnitude. Um 15:11 Uhr Ortszeit erreichte es auf der Magnituden-Skala einen Wert von 9,5. Die topografische Gestalt großer Gebiete des Süden Chiles wurde verändert. Die Erdachse verschob sich um drei Zentimeter. Das Erdbeben löste einen Tsunami aus, der im gesamten Pazifik-Raum schwere Zerstörungen anrichtete. Selbst auf der über 5.000 Kilometer entfernten Osterinsel wurden die tonnenschwere Moai-Figuren ins Landesinnere gespült.

Dass in dieser Gegend die Erde sich permanent bewegt, konnte ich heute am eigenen Leib verspüren. Laut chilenischen Berichten ereignete sich das Beben heute mittag in 10 Kilometer Tiefe vor der Küste von Südchile. Die Stärke wurde mit 4,7 gemessen. In Valdivia klapperten die Türen und Fenster.


 

 

Zum Glück bin ich gestern bereits die steile Bergstraße den Villarica Vulkan hinauf gefahren. 

 

Heute regnet es in Strömen und vom Berg ist Nichts zu sehen. 

 

Doch Hoffnung ist in Sicht. Bereits heute Abend soll die Sonne wieder herauskommen.

 

Zeit genug zur Erkundung des Touristen Städtchen Pucon am Lago Villarica. Da immer noch Ferien in Chile sind, herrscht noch immer buntes Treiben. Es ist eine schöne, ausgelassene Stimmung, die ich hier genießen kann.


 

 

Ein paar Tage war ich nun ohne Internet. Auch wenn mir dieses Medium gefehlt hat, war dies für mich eine kleine Erholung vom "online" sein.

 

So blieb genügend Zeit für Ausflüge rund um den Vulkan Llaima im "Parque Nacional Conguillio". Es ist wirklich beeindruckend diesen Bilderbuchvulkan aus der Nähe erleben zu können. Mit einer Höhe von 3.150 Meter trägt er auf dieser südlichen Breite stets eine Schnee- und Eiskappe. So friedlich wie er sich im Moment gibt ist er jedoch nicht. Beim Ausbruch am 1. Januar 2008 mit einer 3000 m hohen Rauchsäule wurden mehrere Touristen von der Lava eingeschlossen. Im Rahmen einer Rettungsaktion konnten 54 Touristen evakuiert werden. Nach einer kurzen Ruhepause brach der Vulkan am 4. April 2009 erneut aus. Seitdem ist er zwar ruhig geblieben, gilt aber nach wie vor als einer der aktivsten Vulkane Chiles.

 

Auch war genügend Zeit für eine Fahrt an die Küste des pazifischen Ozeans. Kalt ist es dort, es geht ständig ein starker Wind und wegen der hohen Wellen ist das Baden an den schönen Stränden verboten.

 

Idealer Ausgangspunkt war dabei meine Unterkunft in der Hosteria-Cabaña Adela y Helmut. Dazu gab es jeden Abend ein köstliches Mapuche-Schwäbisches-Essen. Mehr Infos zur Unterkunft gibt es unter: adelayhelmut.com


 

 

Ein kleines Stückchen Schweiz findet sich im mittleren Süden von Chile.

 

Es ist das Weingut von Rudolf Rüesch. Hier war ich zu Gast und konnte die so unglaubliche Gastfreundschaft genießen.

 

Rudolf, ursprünglich aus dem Kanton Thurgau stammend, bewirtschaftet sein Weingut, die "Viña Chillán" seit nunmehr über fünfzehn Jahren. Hier produziert er hervorragende Bio-Weine und hat auch ein kleines Gästehaus mit sechs Zimmern.

 

Das man auf einem Weingut nicht "verdurstet" ist klar, dass man allerdings auch hervorragend essen kann, ist eine besondere Freude. So stehen zum Beispiel selbstgemachte, frische Pasta oder exzellente Fleischgerichte auf der Speisekarte. Allerdings sollte man seinen sechs Jahre alten Merlot mit Bedacht trinken, denn dieser Wein hat weit über 15 % Alkohol „smile“-Emoticon 


 

 

Seit Ende Mai 2015 bin ich nun unterwegs. Über 33.000 aufregende Kilometer durfte ich mit meinem treuen Begleiter, meiner BMW G 650 GS Sertao, bisher in Südamerika unterwegs sein.

 

Unendlich viele Eindrücke sind in meinem Herzen, unendlich viele schöne Begegnungen konnte ich erleben, unendlich viele Menschen und Landschaften habe ich gesehen. Seit ich von zuhause abgefahren bin, sind viele Monate vergangen und so darf ich auch mal kurz über die gesamte Reise nachdenken. 

 

Obwohl ich schon 33.000 Kilometer auf diesem beeindruckenden Kontinent unterwegs bin, sind erst 75 % meiner geplanten Gesamtstrecke abgefahren. Viel viel Zeit habe ich noch bis ans Ende der Welt zu fahren, nach Feuerland. Und zum Abschluss der gesamten Tour gibt es noch ein Bonbon dazu. Zwei Wochen bin ich, zusammen mit meiner Freundin Bärbel, auf einer Yamaha XT 250 auf der Osterinsel unterwegs.


 

 

Seit zwei Tagen pendele ich zwischen Weinproben „smile“-Emoticon und genialen Museen.

 

Rund um die Kleinstadt Santa Cruz gibt es nicht nur viele, auch international, bekannte Weingüter, wie Los Vasco, Montes, Ventisquero oder Apaltagua. Es gibt auch eines der besten Museen der Welt, das Museo Colchagua. Auf über 4.000 Quadratmeter wird die Geschichte, westlich der Anden, anschaulich und modern präsentiert. 

 

Einen besonderen Raum nimmt die Rettung der 33 Bergleute ein, die in einer chilenischen Mine im Jahr 2010 in 700 Meter Tiefe eingeschlossen waren. Nach 69 Tagen gelang es, mit einer international vielbeachteten Rettungsaktion, alle eingeschlossenen Bergleute zu befreien. Besonders beeindruckend ist, dass die original Rettungsbojen und viele weiteren Originaldinge realistisch ausgestellt werden. Wenn man den original Zettel eines Bergmanns sieht, auf dem er geschrieben hat "Uns 33 geht es im Schutzraum gut“ bekommt man leicht feuchte Augen.

 

Rund 20 Kilometer westlich, direkt am Weingut Viña Santa Cruz, findet sich das relativ neue "Museo del Automóvil" mit einer kleinen, aber feinen Motorradausstellung. Eine Besonderheit des Museums ist sicherlich das Original DeLorean Automobil aus den Filmen "Back to the Future".


 

 

Mein Motorrad macht Ferien und hat Pause „smile“-Emoticon und auch ich bin nun in den Ferien „smile“-Emoticon 

 

Pichilemu ist ein lustiges, günstiges und ewig junges Surfparadies am pazifischen Ozean. Es macht mächtig Spaß hier zu sein. Da momentan Ferienzeit in Chile ist, platzt das Städtchen aus allen Nähten. Überall sind Verkaufs- und Essenstände. Überall wird getrunken, gegessen und gelacht. Es ist eine unglaublich gute und ausgelassene Stimmung hier.


 

 

Das war ein lustiger Tag. Alles lief irgendwie im Stundenrhythmus ab.

 

Erst hat es eine Stunde geregnet. Eine Stunde ging es dann durch ein wildromantisches Flusstal.

 

Dann folgten eineinhalb Stunden Warten am argentinischen Zoll.

 

Danach eine knappe Stunde Passfahrt über die Anden. Am Pass Pehuenche erreichte ich auf meiner Tour zum ersten mal Chile.

 

Dann folgten noch mal eineinhalb Stunden am chilenischen Zoll. Und nochmal eine Stunde ins fruchtbare und heiße Tal von Talca. 

 

Und zu guter Letzt habe ich für das Auswechseln meiner Scheinwerferbirne, wegen einer mächtig klemmenden Schraube, fast eine Stunde gebraucht.


 

 

Die wichtigste Andenpass-Verbindung nach Chile (von Mendoza nach Santiago de Chile) ist für mindestens sechs Monate unterbrochen.

 

Eine große Brücke wurde einfach weggerissen. Ich nehme nun einen rund 400 Kilometer südlicher liegenden Übergang.

 

Jedoch ist dort mittlerweile großes Chaos entstanden. Wie ich in der örtlichen Presse gelesen habe, muss ich mit mindestens sechs Stunden für den Grenzübergang, mit allen Formalitäten, rechnen. Umso mehr freue ich mich dann zwei Tage später aufs am Strand liegen am Pazifik. :


 

 

Nach vielen Umwegen und überschwemmten Straßen habe ich nun das Weinviertel Argentiniens erreicht,

 

In der Nacht brachten schwere Unwetter immense Massen an Regen. Bedingt durch das Klimaveränderungsphänomen El Niño, ist allein in den letzten zwei Wochen so viel Regen gefallen, wie sonst in einem ganzen Jahr. Zum Glück scheint im Moment die Sonne in Mendoza & Maipú wieder. Rund um diese beiden Städte ist nicht nur das Zentrum des argentinischen Weinanbaus, es ist auch ein Zentrum der Olivenölproduktion. Zuerst besichtigte ich das riesige Weingut Lopez, ein wahrer Massenanbieter. Doch sind aber insbesondere die Reserva Weine ausgezeichnet.

 

Danach ging es zu einem kleinen, aber feinen Weingut, welches nur ganz wenig produziert und sich auf die Fahnen geschrieben hat, nach alten Traditionen Wein zu machen.

 

Nach zwei Weingütern und über 25 verschiedenen Weinen war ich allerdings ziemlich k.o. Bei diesen guten Weinen bringe ich es einfach nicht übers Herz, ein Rest im Glas einfach wegzuschütten.

 

Doch die Produktion und die Verkostung von edlen Olivenölsorten auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb machte mich wieder fit.

 

Gestern gingen schwere Unwetter über der Andenstraße ,die nach Santiago de Chile führt, nieder. Ein Brücke und der Tunnel mussten gesperrt werden. Motorradfahrer, die ich gesprochen habe, benötigten 20 Stunden anstatt der normalen sechs bis sieben Stunden. Im der Zwischenzeit sollen jedoch die Aufräumungsarbeiten abgeschlossen sein, so dass ich die Straße wieder ohne Probleme befahren kann.


 

 

Nach vielen Wochen im Hochland von Peru und Bolivien bin ich jetzt nur noch auf 1.200 Meter. Aber nicht nur die niedrige Höhe ist für mich neu, nein, es ist auch das völlig andere Land. Es ist, als würde ich in Europa sein, in Spanien. An diese für mich wieder neue, globalere Welt muss ich mich allerdings erst wieder gewöhnen.

 

Nun bin ich in der wunderschönen Stadt Salta in Nordargentinien angekommen, von der die Argentinier sagen: Salta - La Linda. Salta - Die Schöne.

 

Salta ist bekannt für ihre alte spanische Kolonialarchitektur in der Altstadt. Die Stadt hat heute etwa 554.125 Einwohner und ist somit die achtgrößte Stadt Argentiniens.


 

 

Der Tag führte mich durch eine wundervolle Landschaft. Grüne Täler, purpurrote Felsen und Gebirgszüge und riesige, karge Hochtäler.

 

Doch dann erreiche ich die bolivianische Grenzstadt Villazón. Und sollte mal jemand auch diesen Grenzübergang von Bolivien nach Argentinien benutzen, hier habe ich einen kleinen Erfahrungsbericht.

 

Eine kleine Schlange aus Kleinbussen und PKW steht auf der Brücke über dem Grenzfluss. Gerade als ich mir überlege, wo ich wohl ein schattigeres Plätzchen zum Warten finde, winkt mich ein Polizist zu sich heran und sagt mir, ich könne ruhig bis an den Schlagbaum heranfahren und mein Motorrad im Schatten abstellen. Schon sehr seltsam, was für ein Zufall, dass er meine Gedanken lesen konnte. So stehe ich nun im Schatten.

 

Mit allen Papieren ausgestattet, frage ich zunächst nach der Migration, der Ausreisestelle, von Bolivien. Zwei Schlangen gibt es. Eine kürzere, die sich relativ zügig voran bewegt und eine längere an der ich keine Bewegung ausmachen kann. Ich frage mich durch, welche denn für welche Zollaktion ist. Und ich habe Glück und ich kann mich an der Kürzeren der Beiden anstellen. Schon eine Viertelstunde später stehe ich an dem kleinen Fenster und reiche meinen Reisepass und meinen Einreiseabschnitt zum Beamten in seinem winzigen Büro. Berge von Zetteln türmen sich auf seinem Schreibtisch, es sieht alles sehr unaufgeräumt aus. Mein Anliegen ist jedoch in fünf Minuten erledigt. Mit einem Ausreisestempel versehen reicht er mir den Pass zurück.

 

Nun kommt die zweite Aufgabe in Bolivien. Ich muss herausfinden wo der Zoll ist, damit auch mein Motorrad ausreisen kann. Denn auf der Seite der bolivianischen Migration ist er nicht. Eine junge Zöllnerin zeigt mir den Weg. So muss ich auf die andere Straßenseite gehen und im dortigen Gebäude das linke Fenster aufsuchen. Diesmal dauert es etwas länger, denn diese Stelle ist sowohl für die Einreise von Fahrzeugen nach Bolivien als auch für die Ausreise zuständig. Zwanzig Minuten später reiche ich der sehr freundlichen Dame meine Papiere. Die Fahrzeugpapiere möchte sie gar nicht sehen, nur den Ausreisestempel in meinem Pass. Dann verabschiedet sie mich mit einem Lächeln. Das Zolldokument ist bei ihr verblieben.

 

Jetzt kommt der dritte Akt. Die Argentinische Migration, die Argentinische Personenzollstelle. Diese ist wieder auf der anderen Straßenseite. Fünf Minuten später stehe ich vorm Schalter. Doch anders als die südamerikanischen Reisenden brauche ich noch ein kleines Einreiseformular welches er mir durchs Fenster herüber reicht. Nun gut, also wieder ans Ende der Schlange. Und während es langsam vorwärts geht, fülle ich die wenigen Felder des Einreiseformulars aus. Fünfzehn Minuten später habe ich es geschafft und stehe wieder am argentinischen Schalter. Pass und Fahrzeugpapiere reiche ich der Zöllnerin. Alles wird sorgfältig in den Computer eingetippt. Ich kann ein wenig auf den Bildschirm schielen und sehe, dass meine Daten aus früheren Reisen schon im System gespeichert sind. Deshalb wahrscheinlich, habe ich nach fünf Minuten meinen ersehnten Einreisestempel.

 

Letzter Akt ist der argentinische Warenzoll für die Einreise meines Motorrades. Ein äußerst höflicher Zöllner, der gerade Autos von innen nach außen, von unten nach oben kontrolliert, sagt mir, sogar in gutem Englisch, dass ich ein wenig vorfahren solle, und dann mein Gepäck zur Durchleuchtung bringen soll. Ein mobiler, in einem Lieferwagen untergebrachten, Durchleuchtungsapparat ist dazu extra an die Grenze gebracht worden. Als der Zöllner sieht, dass ich mich mit den beiden Albkoffern abschleppe, nimmt er mir kurzerhand einen davon ab und stellt ihn auf das Rollband. Als hätte er schon wieder meine Gedanken lesen können, antwortet er auf die noch gar nicht von mir gestellte Frage, warum macht man das Ganze, dass an diesem Grenzübergang oft sehr viel Cocablätter nach Argentinien geschmuggelt werden. Wenn ich alles wieder aufgeladen habe, solle ich zu ihm kommen, denn er würde mir noch ein schönes, er sagt wirklich schönes, Formular für die Einfuhr ausstellen. Kurz darauf holt er mich und wir gehen in sein, diesmal nicht so kleines, aber extrem spartanisches, Büro. Er benötigt Pass, Fahrzeugschein und Versicherungsbestätigung. Jetzt werden die Fahrzeugdaten in den Computer eingegeben. Die Versicherungsbestätigung würdigt er jedoch keines Blickes. Alles ist fertig. Nur noch ausdrucken, meint er, muss er noch. Dazu, er schüttelt vielsagend den Kopf, müsse er allerdings auf die andere Straßenseite zum Drucker gehen. Zwei Unterschriften darf ich noch anbringen und ich habe es nach drei Stunden geschafft. Ich bin in Argentinien.

 

Und wie zur Aufmunterung, sehe ich ein Schild, auf dem es heißt, dass es "nur" 5.121 Kilometer bis zum südlichsten Punkt meiner Südamerikareise, nach Ushuaia, sind.


 

 

Hoch über die Millionenmetropole La Paz zu schweben ist seit kurzem, mit der 8er Kabinenseilbahn von Doppelmayr aus Dornbirn, möglich.

 

Drei Linien sind bereits fertiggestellt. Drei weitere folgen in den nächsten zwei Jahren. Und zum Ende des Jahrzehnts werden acht Seilbahnlinien so verknüpft sein, dass man damit über die ganze Stadt fahren kann. Jedes dieser einzelnen Projekte hat ein Investitionsvolumen von 450 Millionen Dollar.

 

Es ist mehr als beeindruckend von der Oberstadt El Alto auf 4.100 Höhenmetern hinunter ins Zentrum von La Paz auf 3.200 Metern hinab zu gleiten. Mit dieser Höhe gilt die Doppelstadt La Paz / El Alto als der höchste Regierungssitz der Welt.

 

Auch sonst ist La Paz etwas Besonderes. Die tausenden Verkaufsstände und -läden prägen das Stadtbild. Hier gibt es Nichts was es nicht gibt. 


 

 

Hier gibt es wahrlich genug Salz fürs Frühstücksei.

 

Der Salar de Uyuni ist mit mehr als 10.500 Quadrat­kilometern die größte Salzpfanne der Erde.

 

 

Was für ein Spass war es heute über die Salzstraßen zu fahren „smile“-Emoticon „smile“-Emoticon „smile“-Emoticon . Eine gute Sonnenschutzcreme ist unverzichtbar. Doch mit meiner 90er war ich hierfür gut gerüstet.

 

Mitten auf dem Salzsee befindet sich ein fast ganz aus Salz gebautes Hotel. Dies ist auch das Ziel jeder Tour, die für Touristen angeboten wird. Mindestens zehn Geländewagen, voll mit Japaner, waren schon vor mir da. Und die hatten Souvenierladen und den Kiosk schon in Beschlag genommen. Ich habe mich derweil mit dem Tourguide über Qualität der Pisten, die nach Süden führen, unterhalten und viel interessantes erfahren können.

 

Übrigens führt durch Uyuni auch jährlich die Rallye Dakar. Überall finden sich riesige Anzeigetafeln und die Straße nach Dolchani  (Einstiegsort der Pisten auf dem Salzsee) wurde extra vor kurzem asphaltiert um die Besucher bequemer an die Rennstrecke auf dem Salzsee zu bekommen.

 

Eine weitere Sehenswürdigkeit, liegt rund drei Kilometer südlich der Stadt. Es ist ein riesiger Eisenbahn Friedhof. Viele alte Dampflokomotiven und Wagons rosten ganz langsam vor sich hin. Alles brauchbare, so auch alle Fabrikschilder sind leider schon von Souvenirsammlern gestohlen worden, so  dass es ziemlich schwer war, die Herkunft und das Alter der Lokomotiven heraus zu finden. Nur die eingeschlagenen Zahlen auf den Rädern geben Auskunft. 


 

 

Fast wie eine Fährüberfahrt über den Bodensee. Aber eben nur "fast".

 

An einer Engstelle des Titicacasees, dem "Estrecho di Tiquina" geht es mit Pontonfähren hinüber ans andere Ufer um nach La Paz weiterfahren zu können.

 

Mit etwas gemischten Gefühle fahre ich auf den Ponton. Viele Bretter fehlen oder sind morsch. Und unten in der Bilge blubbert das Wasser hin und her. Doch selbst große Kieslaster oder Busse werden mit solchen Fähren transportiert.

 

Und dann war ich noch so blöd und bin vorwärts auf den Ponton gefahren, denn erst als es schon zu spät ist, merke ich, dass die Fähre nur eine Ein- und Ausfahrt hat. Aber viele helfende Hände haben mich rückwärts rausgeschoben.


 

 

Nach drei langen Etappen, mit bis zu neun Stunden im Sattel bin ich nun in Bolivien angekommen, in der kleinen Stadt Copacabana, am Südende des Titicacasees.

 

Über zwei Stunden brauchte ich für den Grenzübertritt, jedoch waren alle sehr freundlich und zuvorkommend, Aber Bürokratie erfordert eben nunmal eine "gewisse" Zeit. Doch vom Grenzübergang zu meinem kleinen Hostal in Copacabana waren es dann nur noch 17 Kilometer. Übrigens ist der berühmte Strand in Rio de Janeiro nach diesem Ort in Bolivien benannt.

 

Auf der Fahrt hatte ich eine kleine Schrecksekunde, denn bei einer Pause entdeckte ich, dass an der Vorderradgabel eine Klemmschraube fehlt. Doch mit der Improvisationskunst der einheimischen Motorradwerkstatt im nächsten Ort, war das Problem schnell gelöst.

 

In Copacabana steht die wichtigste Wallfahrtskirche Boliviens. Jedes Wochenende quillt die Stadt über voller Autos und Lastwagen, die alle gesegnet werden wollen. Einerseits hätte ich das Spektakel gerne gesehen, andererseits ist mir die Ruhe heute lieber.


 

Ich bin wieder in Peru.

 

Gestern habe ich mein Motorrad bei TOURATECH in Lima abgeholt.

 

Da die hinteren Bremsbeläge ziemlich nah an der Verschleißgrenze waren, bekam meine BMW neue Beläge spendiert. Und, weil ich gerade dabei war, gab es auch vorne neue Beläge.

 

Vorbei an den schönen und wegen der Ferienzeit schon frühmorgens gut belegten Stränden von Lima, ging es am nächsten Tag weiter mit "Kurs Süd". Kurz vor Nazca hat mein treues Motorrad heute die 30.000 Kilometer Marke erreicht, 26.000 Kilometer davon bin ich davon in Südamerika gefahren.

 

Nazca empfängt mich mit gemütlichen 33° Grad im Schatten. Zeit für einen kleinen Mittagsschlaf im Garten meines schönen B&B.


 

Vor meinem "Heimaturlaub" gab es noch einen kleinen Zwischenaufenthalt in der Unesco-Welterbestadt Lima. Da ich bei meinem ersten Besuch nicht so ganz fit war, wurde nun die Besichtigung intensiv nachgeholt.

 

Intensiv bedeutete natürlich auch den Besuch einer Piscoprobe. Von 16 Prozent bis zu 42 Prozent, von Pisco-Sour bis Pisco-pur reichte die vielfältige Auswahl.

 

Davor haben wir zwei Tage lang den Strand im Surferparadies Punta Hermosa genossen. Und das Besondere daran war der Ausblick von der Terrasse auf die vorbeischwimmenden Delphine, die Flugkünste der Pelikane und die Sturzflüge der Basstölpel.


 

 

 

Von Land, aber besonders aus der Luft, sind die geheimnisvollen Linien und Geoglyphen in der Wüste von Nazca zu bewundern. 

 

Als wären es Wunder aus einer anderen Welt oder von anderen Weltraumbewohnern geschaffen. Niemand kennt wirklich die wahre Entstehungsgeschichte. Interessant ist, dass die Nazca-Linien erst 1939 durch Zufall entdeckt worden sind. Beim Bau der Panamericana, die quer durch die Linien läuft, erkannte man die Geoglyphen nicht.




Was für ein Erlebnis. Auf einer Schilfinsel der Uros, mitten im kalten Titicacasee, in einer einfachen Hütte zu sein und übernachten zu können.


Am Tag brennt auf 3.808 Meter Höhe die Sonne gnadenlos vom Himmel. Dazu im krassen Gegensatz ist die Temperatur am Abend und in der Nacht. Ein eisiger Wind fegt über den zwanzigmal größeren See als der Bodensee.


Bereits um halb Acht bringt das Familienoberhaupt dieser "Einfamilieninsel" uns Wärmflaschen zum aufwärmen des Betts. Trotz Motorradkleidung genießen wir nur für kurze Zeit den Sternenhimmel. Danach schlüpfen wir lieber unter die warme Alpakadecke.


Das sind unvergessliche Glücksmomente.



Nach rund fünf Wochen bin ich zurück in Cusco.


Jetzt, da auch Bärbel mit auf Tour ist, sehen wir uns die Inkamauern der Festung Saqsaywaman an. Wie von Zyklopen an diesen Ort gebracht, ist die dreistufige Festungsmauer aus gewaltigen, passgenau eingelassen Steinblöcken gebaut worden. Nach wie vor ein Mysterium ist es wie diese Kolosse vom Steinbruch im Tal auf den Festungsberg gebracht worden sind. Und Cusco bietet noch mehr, wie zum Beispiel wiederentdeckte Tempelmauern aus der Inkazeit. Beim verheerenden Erdbeben im Jahr 1950 stürzte die Santa Catalina Kirche fast vollständig ein. Die darunter befindlichen Mauern des Inka-Sonnentempels blieben völlig unbeschädigt stehen. Es fällt uns sehr schwer sich von dieser atemberaubenden Stadt zu verabschieden.


Unglaublich ist aber auch die Fahrt durch das auf 4.000 Meter liegende Hochtal in Richtung Titicacasee. Vorbei an bis zu 6.000 Meter hohen, schneebedeckten, schroffen Bergen, entlang eines Flusses voller rosafarbener Flamingos. Welch ein Anblick.




Machu Picchu, ein Ort voller Mystik und Schönheit. Eingebettet zwischen schroffen Bergen, direkt aus dem Urwald aufsteigend, erhebt sich alte Inkastadt auf einem Bergrücken. 


Da es Nebensaison ist, war nicht die Maximalzahl von 2.400 Besuchern sondern nur 1.400 Besucher in der alten Inkastadt. So konnten wir den ganzen Tag gemütlich diesen Ort auf uns einwirken lassen. 


Lange Zeit vergessen, von den spanischen Eroberern nie entdeckt, ist Machu Picchu heute der Höhepunkt jeder Perureise.


Als wir mit dem Zug der PeruRail wieder zurück in Ollantaytambo sind, starten wir die Besichtigung dieser, der zweitheiligsten, Inkastadt im heiligen Tal. Hier wurden die Herzen der Inkaherrscher beerdigt. Kunstvoll und filigran sind viele der präzise bearbeiteten Steine bearbeitet. Rätselhaft und unerklärlich bis heute ist der Transport der bis zu 50 Tonnen schweren Steine, vom Steinbruch auf der anderen Talseite hinauf auf den Berg zum Sonnentempel. 


 

 

Eine beeindruckende Zugfahrt entlang des Rio Urubamba, weiter durch das heilige Tal der Inkas, bringt uns nach Agua Calientes. Beeindruckende Ausblicke auf die schroffen Berge und den reißenden Fluss begleiten uns auf der gemütlichen Zugfahrt von Ollantaytambo bis zur Endstation. Es geht heute ruhig zu, im ansonsten überquellenden Dorf. Ganz auf Tourismus eingestellt, hat es sich jedoch noch einen gewissen Charme erhalten können. 

 

Hoch über dem Dorf ragt die sagenhafte Inkafestung Machu Picchu auf. Ein Ort mit besonderer Magie, welchen wir morgen in aller Ruhe besuchen werden.



Es ist eine wunderschöne Strecke auf dem Weg zur sagenhaften Inkafestung Ollantaytambo. Erst über mehrere Pässe mit unendlich scheinenden Kurven und Kehren und dann durch das heilige Tal der Inkas.


Für heute waren wir zu spät dran für eine Besichtigung. Wir werden dies nach unserem morgigen, mehrtägigen Ausflug nach Machu Picchu nachholen. 



Die Bergstrecke von Lunahuaná nach Huancayo und weiter nach Ayacucho ist nur etwas für absolut schwindelfreie Menschen.


Die Piste, eine einspurige Fahrbahn ist zwar in vielen Bereichen asphaltiert, jedoch führt die Straße ständig am Abgrund entlang. Ohne Sicherung durch Leitplanken oder Pfosten geht es direkt neben der Fahrbahn oft Hunderte Meter senkrecht nach unten ins Flusstal. Teilweise war das Flusstal wie ein ausgewaschener Canyon. Schmale Brücken, dunkle Naturtunnel und eine üble Schottenpiste führen hinauf auf den Bergpass.


Oben auf über 4.600 Höhenmeter grasen friedlich große Alpakaherden, die von Viehhirten trotz strömenden Regen gehütet werden. Es ist bitterkalt geworden. Das Thermometer zeigt gerade noch fünf Grad an. Am Rand der Straße und an den niedrigen Sträuchern findet sich noch Schnee, der in der vergangenen Nacht gefallen ist. Dieser Landstrich lebt fast ausschließlich von bescheidenen Viehzucht.und Ackerbau. 



Der gestrige Tag war anstrengend für mich. Ursprünglich wollte ich nur 210 Kilometer weit fahren. Aber an meiner Unterkunft war alles verschlossen und niemand öffnete. So bin ich weitere 190 Kilometer, über den 4.818 Metern hohen Anticona Pass direkt zu meiner geplanten Unterkunft für den nächsten Tag, gefahren. Wunderschön ist auf der Hazienda La Florida in der Nähe von Tarma.


Dort kann ich ausruhen, die Seele "baumeln lassen" und das sehr gute Essen und Frühstück genießen. Die meisten Produkte stammen aus eigenem Bio-Anbau. Selbstgemachte Marmeladen, selbst hergestellte Käse und Butter, Gemüse, Gurken, Salat von den eigenen Feldern und Forellen aus dem eigenem Bach lassen Gaumenfreude aufkommen. In meinem Zimmer stehen drei Flaschen mit Blumen und auf den Flaschen steht:


Disfruta tu estadia - Genießen Deinen Aufenthalt. Genau das mache ich.


 

Neuer Höhenrekord auf meiner Reise. 4.818 Meter hoch ist der Pass, der Ort und die Bahnstation. Bis zum Bau der Tibetbahn war dies die höchstgelegene Bahnstation der Welt.

 

Heute fehlen mir die Worte, meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen von Paris und meinen Freunden in Frz. Guyana.


 

Ein Tunnel auf 4.470 Höhenmeter, ein beeindruckendes Bergpanorama und eine wirklich miserable Straße führen mich nach Chavín de Huantár. 

 

Chavín de Huántar ist eine archäologische Stätte, die Ruinen und Artefakte beinhaltet, die bereits 1.200 Jahre vor Christus gebaut wurden und deren Errungenschaften von späteren Kulturen kopiert wurde. Bis hin zur Chavin Kultur, die zwischen 400 und 500 Jahren vor Christus existierte und eine frühe Vorinkakultur gilt. Die Ausgrabungsstätte liegt in der Ancash Region von Peru, rund 250 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lima, auf einer Höhe von 3.200 Metern am Fuße der Cordillera Blanca. Chavín de Huantár ist seit 1985 Unesco Welterbe.

 

Der Ort selbst ist eher ein Dorf mit einem pittoresken Hauptplatz, der von einer Kirche, ein paar Hostels, winzigen Restaurants und niedrigen Häuser umrahmt wird. Abends, wenn die Tagestouristen zurück in Huaráz sind, gehört die Stadt wieder den Einheimischen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Abendessen bei mir zwar einfach, aber unglaublich schmackhaft ausfällt.

 

Die Idee zu einer Fahrt nach Chavín habe ich aus dem Buch von Erich von Däniken bekommen, der dies in seinem Buch "Unmögliche Wahrheiten" beschreibt.


Auf 4.222 Höhenmetern mit windzerzauster Frisur.
Auf 4.222 Höhenmetern mit windzerzauster Frisur.

 

 

Heute morgen war ich noch im schönen Surferparadies Huanchaco am Pazifischen Ozean. 

 

Fünf Stunden später stehe ich auf 4.222 Meter. Solche "normalen" Pässe übrigens, werden in Peru doch kein Schild gekennzeichnet.

 

Es ist der Beginn der Schweiz, der peruanischen Schweiz, wie dieses Gebiet auch bezeichnet wird.

 

Es war eine wundervolle Fahrt durch die verschiedensten Klima- und Vegetationszonen. Allein auf den letzten 90 Kilometern gab es soviel Kurven wie ich in den letzten drei Tagen nicht gefahren bin. 

 

Die Stadt Huaraz, ein Ort der häufig als Ausgangspunkt für Trekkingtouren in den nahen Nationalpark Huascarán genutzt wird ist mein heutiges Etappenziel. Der Nationalpark ist stets über 4.000 Meter hoch und in seiner Mitte ragt der höchste Berg Perus auf, der 6.768 Meter hohe Nevada Huascarán.

 

Es ist kalt geworden. Nur noch 14 Grad zeigt das Thermometer. Dazu regnet und windet es. Doch die Luft ist herrlich zum Einatmen.


 

Zurück von den Galapagos Inseln begrüßt mich Quito mit Dauerregen und kühlen Temperaturen.

 

Heute morgen bin ich im strömenden Regen Richtung Süden losgefahren. Auf Höhen von bis zu 3.600 Metern sank das Thermometer auf unter fünf Grad ab.

 

Doch dank meiner Heizgriffe am Motorrad läßt es sich trotzdem recht angenehm reisen. Die " Straße der Vulkane" war heute eher eine Straße der Wolken, des Regens und der frostigen Temperaturen. 

 

Zum Glück hörte der Regen rund 50 Kilometer vor meinem heutigen Etappenziel, der kleinen Stadt, Alausí auf. So dass ich mir berechtigte Hoffnung machen konnte, noch den letzten Zug zur berühmten Teufelsnase zu erreichen. Und ich schaffte es. 30 Minuten vor der Abfahrt stehe ich am Bahnhof, habe ein Ticket für 30 Dollar in der Hand und freue mich riesig auf diese ganz besondere Zugfahrt.

 

Der Nariz del Diablo, die Nase des Teufels, ist ein 100 Meter hoher markanter Felsvorsprung über der Schlucht des Rio Chanchán Um diesen Felsen zu überwinden, wurden die Gleise in der steilen Wand der Teufelsnase fast übereinander gelegt und durch zwei Spitzkehren miteinander verbunden. Ein echtes Erlebnis.

 

Und ein bisschen Folklore darf auch sein. 

 

Das Motto von Ecuador-Tourismus lautet: "Ecuador ama la vida" - Ecuador liebt das Leben. Das ist auch mein Motto, denn "Yo amo la vida" :-)



Im höheren Teil der Insel Santa Cruz, dort wo der Regen und Tau für üppig grüne Vegetation sorgt, ist der Lebensraum der Riesenschildkröten. Über 7.000 Stück soll es allein auf dieser Insel geben. Jedoch ist dies nichts gegen die ursprüngliche Zahl von 30.000 die es hier gab, bevor der Mensch das Eiland betrat. Es ist ein gewaltiges Gefühl neben diesem lebenden Fossil der Urzeit liegen zu dürfen und den ruhigen Bewegungen der Tiere zuzusehen. Lustig ist, dass sie immer wieder laut schnaufen und dann eine "verrotzte" Nase haben. Viele dieser Tiere sind weit über 100 Jahre alt.


Streng geschützt, laufen sie frei herum und haben immer Vorfahrt. Wenn ein Tier einen Weg kreuzt heißt es ein wenig Geduld haben. Und vor allem nicht zu Nahe kommen, denn dann zieht sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück.


Beeindruckend sind auch die völlig erhaltenen und begehbaren Lavatunnel. In diesen floss einst glühendes Magma in Richtung Meer.


 

Ein Flug auf die Galapagos Inseln beginnt schon am Boden, im Flughafen von Quito. Zunächst durfte ich mich bei der Bezirksverwaltung der Galapagosinseln registrieren lassen. Eine Einreisekarte (wie bei der Einreise aus dem Ausland) wird dabei mit Registriernummer versehen und schon vorausgefüllt. Das Beste dabei ist, dass dieser Service 20 US$ in bar kostet. Nun muss ich meine Fluggepäck zur Durchleuchtung bringen. Es wird geprüft ob irgendwelche organische Substanzen, wie Lebensmittel, Samen oder Tiere (Insekten etc.) im Gepäck sind. Die Tasche wird anschließend mit einem Spezialkabelbinder versiegelt. Erst dann geht es zum ganz normalen Check-In. Auch bei der Einreise geht es "speziell" weiter. Nochmal werden alle Daten kontrolliert und im Computer vervollständigt. Doch meinen Pass erhalte ich nicht direkt, denn dieser wird an den Nachbarschalter weiter gegeben. Dies ist der Schalter der Nationalparkverwaltung. Und der freundliche Beamte möchte für den Eintritt 100 US$ in bar. Anschließend wird noch mein Handgepäck durchleuchtet. Nun bin ich wirklich angekommen. Mit einem klapprigen Bus geht es hinunter ans Meer, denn die Insel auf der der Flughafen liegt, ist mit keiner Brücke mit der Insel Santa Cruz, mit der Hauptstadt Puerto Agora, verbunden. Es geht gemütlich zu auf der Insel. Ein bisschen Karibik, ein bisschen Kanaren. Und auf dem Weg zur Charles Darwin Forschungsstation begegnen mir schon die ersten, großen Echsen.



Quito, die Unesco-Weltkulturerbestadt ist einfach fast unbeschreiblich. Schön, aufregend, quirlig, farbenfroh, genauso wie vor 18 Jahren, als ich das erste mal hier war. Ein Ort voller Energie.


Es ist unmöglich all die vielen Eindrücke aufzunehmen. Eine unglaubliche Anzahl an historischen Kirchen, Palästen und administrativen Gebäuden findet sich überall in der Altstadt. Doch dies alles wird übertroffen vom Prunk der Innenausstattung der Kirchen. Selbst bayrische Barockkirchen würden vor Neid erblassen.


Während sich das historische Zentrum herausgeputzt und unverändert zeigt, boomt es in den nobleren Stadtbezirken. Ein Appartementhochhaus am anderen entsteht oder ist gerade bezugsfertig geworden. Spannend finde ich diesen Kontrast zwischen dem damaligen Bauboom im Zentrum und dem heutigen Bauboom in der Neustadt. Es ist unübersehbar, in Ecuador geht es wirtschaftlich aufwärts.


Ich habe zwar noch nicht ganz die Halbzeit meiner Reise erreicht, jedoch mit der Stadt Otavalo, nördlich von Quito, meinen nördlichsten Punkt. Über 19.000 Kilometer durfte ich mit meinem BMW Motorrad zurückgelegen. Es waren spannende Tage und Monate seit meiner Ankunft, mit dem Frachtschiff, in Montevideo in Uruguay. Und es geht spannend weiter. In wenigen Tagen mit dem Flug auf die Galapagos Inseln. Und irgendwann im nächsten Jahr erreiche ich den südlichsten Punkt in Ushuaia in Feuerland. 


 Der Vulkan Cotopaxi speit riesige Dampfwolken aus.
Der Vulkan Cotopaxi speit riesige Dampfwolken aus.

 

 

 

Heute war für mich wieder ein wunderschöner Tag. Viele Stunden bin ich auf der "Allee der Vulkane" (so nannte einst der bekannte deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt diese Straße) gefahren.

 

 

Am frühen Morgen hüllte sich der 6.310 m hohe Vulkan Chimborazo noch ganz in Wolken. Beim Vulkan Cotopaxi hatte ich hingegen ein klein wenig Glück. Er gab für wenige Minuten seinen Gipfel frei, so dass ich die riesige Dampfwolke sehen konnte, die er seit seinem jüngsten Ausbruch am 30. August 2015, permanent ausspeit. Mit seinen 5.897 Meter ist er der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt.

 

Auch der Vulkan Imbabura bei Otavalo versteckte seinen Gipfel, wobei dies bei diesem Vulkan zur Normalität gehört. Genau deshalb gilt er auch in der Mythologie der indigenen Bevölkerung als heilig.

 

Heute mittag habe ich wieder einmal den Äquator überquert. Auf dieser Reise ist dies nun das vierte mal, einmal war es an Bord meines Frachters, dann zweimal beim Guayana Ausflug mit dem Flugzeug und nun das erste mal mit dem Motorrad. Damit bin ich wieder auf der Nordhalbkugel der Erde, zumindest bis morgen.


Die letzten beiden Tage bin ich durch einer der trockensten Wüsten der Welt gefahren, die Wüste Sechura, im äußersten Nordwesten von Perus.

 

Nun bin froh, dass ich auf der Panamericana Nord in Ecuador angekommen bin, wo es wieder rundherum grün ist. 

 

Es ist eine wahre Erholung die frische Luft in der Höhe einatmen und genießen zu können.

 

Einzigartig war auch die Fahrt durch den ganz besonderen Trockenwald dieser Region. Dieser Trockenwald im Süden Ecuadors gehört zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen unserer Erde. Die Trockenwald-Vegetation ist für die biologische Vielfalt von großer Bedeutung, denn diese Region beherbergt eine hohe Zahl von Tieren und Pflanzen, die ausschließlich in diesem Gebiet der Erde vorkommen. 

 

Von Riobamba aus, geht es morgen zur Straße der Vulkane.


Wie wird ein Motorradfahrer am schnellsten gesund? Ganz einfach, durch das Motorradfahren! Deshalb habe ich heute eine 580 Kilometer lange Strecke auf der Panamericana zurück gelegt. Die Straße führt zwischem dem stürmischen Meer einerseits und den Ausläufern der Atacama-Wüste andererseits hindurch.

 

Gerade am frühen Morgen, ich bin schon um 5.45 Uhr losgefahren, legte sich der kalte Küstennebel schwer auf die Straße. Die Winde die vom Ozean herüber wehten, waren teilweise so stark, dass es fast unmöglich war die Maschine halbwegs geradeaus zu steuern. Doch jetzt bin ich in einem kleinen Surferparadies gelandet. Herrliche Wellen, herrlicher Strand und quirlige Menschen aus vielen Nationen, tummeln sich hier. Und,  ... das Essen und Trinken schmeckt mir wieder.


Ein große Stadtbesichtigung in Lima konnte ich heute nicht leider nicht machen.

 

Seit gestern Abend plagt mich eine ziemlich heftige Magen- und Darmverstimmung und mein einziger Spaziergang ist der zwischen Toilette und Bett.

 

 

Doch so etwas gehört genauso zu einer langen Reise, wie die Flohbisse, die ich mir vor einigen Tagen eingehandelt habe. Alles nichts Tragisches. 


Um halb zehn Uhr stehe ich vor dem großen Eingangstor zur Touratech Vertretung Peru. Nach dem Klingeln wird mir gleich die Einfahrt mit dem Motorrad ermöglicht. Jochen, einer der Mitarbeiter, zeigt mir gleich alles und sagt, dass Ivan, der Chef, in einer Viertelstunde kommt. Was für eine herzliche Begrüßung darf ich dann erleben. Als würden wir uns schon ewig kennen. Wir sprechen, wirklich, stundenlang über alles mögliche. Ich traue mich nur nicht zu fragen, wann wir denn mit dem Wechseln der Reifen anfangen. Doch um halb Zwölf geht es los. Die Räder snd schnell abmontiert. Doch dabei entdecke ich, dass das Lenkkopflager irgendwann in der nächsten Zeit ausgetauscht werden muss. Doch jetzt sind erstmal neue Reifen dran. Nach 15.152 Kilometer ist wirklich an der Zeit, denn gerade in Kurven hatte ich kein besonders sicheres Fahrgefühl mehr. Nur mit viel Gewalt und mit vollem Einsatz der Montagemaschinen ist es uns möglich den hinteren Reifen zu montieren. Auch der vordere Reifen macht Schwierigkeiten. Doch die Uhr schlägt 12 Uhr dreißig und dies bedeutet Mittagspause, und wir gehen alle gemeinsam zum Mittagessen. Mit seinem neuen Pick-Up fahren wir, Ivan, seine Frau Inés und ich zu einem nahegelegenen recht nobel aussehenden Fischlokal. Und dort gibt es neben einer obligaten Cola erstmal eine Pina Colada. Was folgt ist eine Vielzahl unterschiedlichster Meeresfrüchte, wie zum Beispiel mit Parmesan überbackene Muscheln oder die typische Speise „Ceviche“, scharf angemachter Fischsalat mit viel viel Zwiebeln. Ich probiere von jedem ein bisschen und es schmeckt alles wirklich sehr gut. Als Hauptgang folgt eine Art Paella mit herrlich bissfestem Reis. Als wenn dies nicht schon genug wäre, gibt es noch eine Nachspeise, einen in Fett ausgebackenen Teilring. Ziemlich spät kommen wir zurück, in der Zwischenzeit hat Johann sogar schon die Felgen mit den Reifen ausgewuchtet. Nur noch montieren und ich kann wieder los düsen. Doch dann kommt noch ein Motorradfahrer aus Alberta in Kanada. Wir unterhalten uns ziemlich lange und stellen fest, dass wir uns vielleicht im Februar oder März nächsten Jahres in Patagonien treffen können. Wir verabreden über Facebook in Verbindung zu bleiben. Noch herzlicher ist der Abschied durch Inés, Ivan und Johann, als ich gehe. Aber wir sehen uns ja Ende Dezember wieder, wenn ich mein Motorrad für einen Monat bei ihnen unterstelle. (der gemütliche Tierische Mitbewohner gehört übrigens zur benachbarten Schlosserei).


 

Nach all der Anstrengung hab ich mir dann erstmal eine Tasse Kaffee und eine I

Der heutige Tag bot mir atemberaubende Szenerien. Nicht nur, dass ich fast den ganzen Tag Kurven gefahren bin, nein, die Strecke von Cusco über Abancay nach Nazca, meist über 4.000 Meter hoch, oft auch über 5.000 Meter bietet Traumlandschaftsbilder die einzigartig sind.

 

Und dann breitet sich vor mir eine Lagune aus, auf weit über 5.000 Metern, einsam im Hochland, keine Mensch weit und breit, absolute Stille. Und um das ganze noch zu toppen stolzieren Flamingos im leicht salzigen Wasser und suchen ihre Nahrung. Einfach nur atemberaubend fällt mir ein. Ich weiß nicht wie lange, aber über eine halbe Stunde bin ich nur am Ufer gesessen und habe das Glück genossen so etwas erleben zu dürfen.

 

Nach all der fahrerischen Anstrengung und nach den wundervollen Eindrücken habe ich mir erstmal einen pechschwarzen Kaffee und eine Inca-Cola gegönnt. 


Cusco, die ehemalige Inka Hauptstadt, Unesco Welterbe und Touristenattraktion ist umwerfend faszinierend.  Die Erkundung der Stadt mache ich aber lieber zu Fuß, denn der Verkehr ist chaotisch und die Pflasterstraßen sind sehr glatt (das ABS meines Motorrades hatte ein paar mal zu tun).

 

Es ist eine unglaubliche Szenerie, die sich mir bietet. Dass Cusco ein Touristenmagnet ist zeigt, sich an der unglaublichen Anzahl die sich an der Hauptattraktionen tummelt. Doch nur ein, zwei Blocks von diesen Plätzen entfernt bietet sich der Blick in die Wohnhäuser und Innenhöfe der ganz normalen Bewohner. An den Hängen der Stadt kleben die kleinen Häuschen förmlich am Hang. Es geht sehr einfach zu und doch ist es überall sauber und die Menschen machen einen nicht unzufriedenen Eindruck. Noch ein paar Tage werde ich hier verweilenObwohl 3.400 m hoch, ist es momentan angenehm warm, nur morgens zeigt das Thermometer einstellige Werte an.


 

Heute morgen war ich in Puerto Maldonado noch auf einer Höhe von 200 Metern und hatte schön warme 28 Grad. Nur wenige Stunden später stehe ich auf einer Passhöhe mit unglaublichen 4.725 Metern. Und die Temperatur ist auf 8 Grad gesunken. Der Blick geht hinüber auf riesige Gletscher an den Hängen der 5.000er Berge. Ein gewaltiges Bergpanorama.

 

 

Mit meiner Motorradsommerjacke schlottere ich gewaltig. Doch zu meiner Lodge in den Bergen sind es nur noch 40 Kilometer. Unterwegs sehe ich die Hochlandbewohner in ihren wunderschönen Kleidern. Doch auch auf vorsichtiges Fragen und Bitten, fotografieren wollen sie sich alle nicht lassen. Aber auf einen kleinen Schwatz lassen sie sich gerne ein und lachen dabei so herzerfrischend.

 

Meine heutig Unterkunft, die Asangate Lodge, ist eine wundervolle Unterkunft mitten in den Bergen in einem Hochtal auf über 3.500 Metern. Liebevolle Details und ein unglaublich Essen verwöhnen mich. Nur, eine Heizung gibt es in den Zimmern nicht. Doch ich bekomme einen Heizlüfter um ein wenig Wärme ins Zimmer zu bekommen. Aber mit der herrlichen, dicken Decke friere ich überhaupt nicht. Welch ein Tag. Ich bin einfach nur überwältigt.




Seit Belém am Atlantik, an der Amazonas Mündung, habe ich mit meinem Motorrad über 5.400 Kilometer zurückgelegt.


Es war eine Fahrt mit gemischten Gefühlen, denn ich musste sehen wie die grüne Lunge der Erde, der Amazonas Regenwald mehr und mehr vernichtet wird. Oft hatte ich stundenlang den Geruch der Brandrodungen in der Nase. Auch hier in Peru wird im ungeschützten Bereich des Urwaldes mehr und mehr gerodet. Kleinbauern pflanzen auf den freigeräumten Flächen insbesondere Papayabäume an unter Einsatz von gewaltigen Dosierungen an Spritzmitteln.


Morgen heißt es für mich ,nach vielen Wochen im Tiefland, Abschied nehmen von den Resten des Urwaldes. Hat es hier noch moderate 24 Grad werde ich morgen in den Höhen der Anden nur noch zwischen 10 und 14 Grad genießen dürfen. 


 

 

 

Xapuri, die kleine Stadt auf halber Strecke zwischen Rio Branco und Assis Brasil im Bundesstaat Acré birgt zwei Besonderheiten 

 

 

1. Das Haus von Chico Mendes. Er war Führer der Landarbeitergewerkschaft und setzte sich als Kautschukzapfer für die Rechte der von Landwegnahme bedrohten Arbeiter ein. Im Garten seines Hauses wurde er 1988 von Großgrundbesitzern erschossen.

 

2. Die Firma NATEX, eine Non-profit Firma, die ausschließlich Kondome aus Naturkautschuk herstellt. Es ist die einzige Firma in der Welt mit integriertem Produktionsystem, dies heißt, dass vom Zapfen des Naturkautschuks durch die Gummizapfer, über die Zentrifugierung zu Latex, bis zur Produktion von Kondomen, alles direkt vor Ort gemacht wird. Dies bedeutet Arbeit für die Landbevölkerung (für ca. 500 Familien). Die Firma wurde auf Initiative des brasilianischen Gesundheitsministerium gegründet, die sich auch für die landesweiter AIDS Kampagne verantwortlich zeichnet. 


Nach über 4.500 km, die ich seit meiner Abfahrt in Belém zurückgelegt habe, bin ich nun in der Hafenstadt am Rio Madeira angekommen.


Hier treffen sich die Straßen Transamazonica und Transoceanica. Und mit dem Schiff wäre Manaus in acht Tagen erreichbar. Es ist eine erst 1912 gegründete Stadt und ziemlich gesichtslos.


Doch es gibt auch ein paar besondere Sehenswürdigkeiten. Natürlich ist es der Rio Madeira und die am Ufer vertäuten typischen Amazonas Flussschiffe. Malerisch dümpeln sie im braunen Wasser des großen Flusses. Und ich finde auch ein Stück "Made in Germany", es ist eine alte Dampflokomotive, die einmal in Berlin gebaut wurde. Der alte Bahnhof von Porto Velho ist heute ein Freiluftmuseum der Madeira-Mamoré-Eisenbahn. Eine Bahn die zu Zeiten des Kautschukbooms im damals mörderischen Urwalddschungels gebaut wurde. Über 7.000 Menschen sollen damals beim Bau ums Leben gekommen sein. Von den Opfern der Ureinwohnern spricht niemand. Eine andere Sehenswürdigkeit ist die Kathedrale der Stadt. Kitschig, modern und farbenfroh präsentiert sich das Innere.


5. Oktober 2015

 

595 km, 580 km, 490 km, das waren meine letzten drei Tagesetappen, garniert mit 36°, 38° und heute 40° im Schatten. Doch im Fazenda-Land, im Herzen von Brasilen, gibt es kaum einen Schatten. Und auch die Landschaft ist alles andere als abwechslungsreich.

 

Ausgedörrte Weideflächen mit vereinzelten Bäumen unter denen die Rinder Schutz vor der mörderischen Hitze suchen, dass ist es was ich zu sehen bekomme. Stundenlang geht es kerzengerade durch die flache Landschaft. Keine Kurve, über Stunden keine menschlich Ansiedlung ist auszumachen. Und doch wird dieses Land bewirtschaftet. Riesige Landwirtschaftbetriebe bewirtschaften mit ihren Viehherden diesen dörren Landstrich. Wie groß diese Betriebe sind, zeigt sich an den Hinweisschildern am Toreingang, der 18 Km, 24 Km und einmal sogar 32 Kilometer angibt als Entfernung bis zum Zentrum der Landwirtschaft, dem Bauernhaus sozusagen.

 

In den nächsten fünf Tagen geht es mit Tagesetappen von 400 - 450 Kilometern weiter. Anders ist die lange Strecke nicht zu meistern. Und irgendwann in zwei Wochen möchte ich schließlich die Kühle der Anden genießen können.


2. Oktober 20115


Ich bin wieder auf zwei Rädern unterwegs. Ein gutes, ein sehr gutes Gefühl meine BMW durch die Amazonasstadt Belém steuern zu können. Ich bin wieder angekommen. Angekommen zum Start der zweiten langen Etappe, die mich durch Brasilien, Peru und Ecuador führen wird.


Heute bei der Abholung meines Motorrads hatte sich das ganze Team von BMW-Belém riesig gefreut mich wieder zu sehen. So einen herzlicher Empfang und dann auch wieder Abschied ging echt ans Herz. „smile“-Emoticon  Ich war wirklich zu Tränen gerührt.


Nächstes unmittelbare Ziel ist Lima in Peru. Gemütliche 7.000 km vorbei am Regenwald hinauf in die kalten Höhen der Anden.


30. September 2015


Auf dem Weg nach Brasilien, genauer gesagt, nach der Amazonasstadt Belém, mache ich in Französisch Guayana einen zweitägigen Zwischenhalt.


In diesen zwei Tagen genieße ich richtig die kreolische Gastfreundschaft.  Bei 30° und 85% Luftfeuchtigkeit lässt es sich auch sehr gut einstimmen auf die nächste vier Wochentour auf dem Motorrad. die bei diesen hohen Temperaturen durch den Regenwald in Brasiliens Mitte führt. „smile“-Emoticon 


28. September 2015


... auf dem Weg nach Belém in Brasilien mache ich noch einen Zwischenstop in Paris. Schön mal wieder hier zu sein und den Zauber der Mulitkulti Stadt erleben zu können.


Doch meine BMW G 650 GS Sertao wartet sicherlich schon sehnsüchtig auf mich und die nächsten 6.000 km. Der Weg vom Atlantik zum Pazifik wird quer durch Brasilien und Peru führen. Doch zunächst stehen die nächsten drei Wochen noch im Zeichen des Regenwaldes. Erst auf der Fahrt von Puerto Maldonado hinauf in die Anden nach Cusco wird sich die Vegetation dramatisch verändern.


1. September 2015

 

Wie geplant, bin ich von Cayenne mit der Air-France über Paris nach Basel geflogen um an den  Bodensee zu kommen. Bei den Temperaturen musste ich mich in keinster Weise umgewöhnen. Nur Eines ist auch mal wieder sehr angenehm. Dies ist, dass ich seit acht Wochen zum ersten mal wieder trockene Handflächen habe, da die Luftfeuchtigkeit am Bodensee nur ca. 55 % beträgt, im Gegensatz zu rund 95 % in Südamerika.

 

Freunde besuchen am See, in Italien und natürlich auch Motorradfahren mit der großen 1200er R 1200 GS Adventure BMW stehen auf meinem Programm der nächsten drei Wochen. Dann geht es wieder hinüber nach Brasilien wo in Belém meine 650er BMW, auf die nächste 15.000 Kilometer lange Etappe wartet.


20. August 2015

 

SAINT-LAURENT DU MARONI ist eine Stadt mit düsterer Vergangenheit. Hier begann der Leidensweg der aus Frankreich mit dem Schiff hierher verbrachten Gefangenen. Die Stadt ist vor allem auch durch den Roman und Film "Papillon" und das Straflager "Camp de Transportation", welches als Durchgangslager für das noch unmenschlichere Gefängnis auf der Teufelsinsel diente, bekannt.

 

Aber man würde der Stadt unrecht tun, würde man sie nur auf die Vergangenheit reduzieren. Heute ist sie vor allem quirlig, karibische Grenzstadt nach Suriname welches auf der anderen Flussseite liegt. Pausenlos verkehren im "kleinen Grenzverkehr" schmale Motorboote zwischen den beiden Ländern. Am Ufer herrsch emsiges Treiben und für die kulinarischen Genüsse ist reichlich gesorgt. Ich "musste" mich einfach ein wenig durch das herrlich duftenden Angebot der Verkaufsstände essen. Es ist ein kaum zu beschreibender Genuss, eine erntefrische, reife, duftende und zuckersüße Banane langsam auf der Zunge zergehen zu lassen.


20. August 2015

 

Europas Tor zum Weltraum liegt mitten im Regenwald. Kourou ist die Heimat des "Centre Spital Guyanais", des Weltraumbahnhofs der Europäer, der ESA. Durch die nahe Lage zum Äquator bietet der Standort ideale Voraussetzungen um Raketen ins All zu befördern.

 

Doch Kourou bietet nicht nur Hightech. Endlose, fast menschenleere Strände säumen den bis an den Strand reichenden, unberührten Urwald. Nur wenige Kilometer vor der Küste befindet sich die "Teufelsinsel". Einst Ort der berüchtigten Sträflingskolonie, in der unter unmenschlichen Bedingungen bis 1946 Schwerverbrecher und politische Häftlingen untergebracht waren. Heute ist dieser grauenvolle Ort ein Museum und kann, muss aber nicht, besichtigt werden. 


15. August 2015

 

Ich bin wieder in Frankreich. Ich bin wieder in der EU. Ich zahle wieder mit dem Euro. Und doch bin ich 7.000 Kilometer von Paris entfernt.

 

Ich bin in Französisch Guayana, in der Hauptstadt Cayenne. (Übrigens findet sich dieses kleine Stück Frankreich, in Südamerika, auf jedem Euro-Schein). 

 

Würde ich mir die modernen Autos wegdenken, so könnte ich nicht sagen, ob ich nicht doch in einer südfranzösischen Kleinstadt in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelandet bin. Es ist der morbide Charme der diesen ganz besonderen Zauber dieser karibischen Stadt ausübt. 


9. August 2015

 

Lustige Kombination: Es wird links gefahren, es wird niederländisch gesprochen, die Nummernschilder sind, wie in den Niederlande, gelb und anstatt Tulpen wachsen hier Palmen am Kanal.

 

Mein neues Etappenziel heißt Paramaribo in Suriname und ist sogar UNESCO Weltkulturerbe. 

 

Und, obwohl ich wegen der fünfstündigen Verspätung des kurzen Nachtfluges hierher, kaum geschlafen habe, musste ich sofort durch die Straßen dieser unglaublich reizvollen Stadt schlendern. Hunderte von historischen Holzhäusern, meist weiß gestrichen, säumen die Straßen des Zentrums. Sogar die große Basilika der Stadt ist gänzlich aus Holz gebaut. Außen farbig, innen reine, natürliche Holztöne, machen diese Kirche zu etwas ganz Besonderem.

 

Für heute Sonntag, haben sich die indigenen Bewohner des Landes etwas einfallen lassen. Mit über hundert Marktständen präsentieren sie ihre Folklore. ureigene Musik und echt surinamisches Essen im Palmenbewachsenen Park der Stadt. Was für eine Stimmung, was für eine Farbenpracht, was für eine mitreißende Musik. Viele Tanzen, viele schwingen im Takt de Musik. Jeder lacht und lässt es sich gut gehen. Fröhliche, lustige, quirlige Karibik.


5. August 2015

 

Einer der spektakulärsten Wasserfälle der Welt, der Kaieteur Wasserfall. Er ist tief im Regenwald von Guyana versteckt und nur zu Fuß oder mit dem Kleinflugzeug zu erreichen. Ich hatte das Glück den seltenen goldenen Frosch zu sehen, der sein Versteck in Bromelien hat.

 

Ein Platz mit besonderer Energie. Bei so viel beeindruckender Naturschönheit bedarf es nicht vieler Worte. Die Bilder sprechen für sich. 


Auf meiner Südamerika Tour bin ich jetzt in Georgetown der Hauptstadt von Guyana angekommen. Karibisches Flair, karibische Gelassen und an allen Ecken britisch kolonialer Charme umgeben mich. Das einzige Land in Südamerika in dem Englisch Amtssprache ist, und eines von zwei Ländern in denen Links gefahren wird. Da heute Sonntag ist, sind überall "die Bürgersteige hochgeklappt", nur in den Kirchen treffen sich die Leute. Auch am ansonsten quirlig vollen Markt ist kaum ein Stand geöffnet. Aber um die Mittagszeit macht man sowieso lieber Pause bis um fünf Uhr abends, wenn es etwas kühler geworden ist und der Wind vom Atlantik für etwas Abkühlung sorgt.

 

....... doch was fehlt denn auf den Bildern? .... und warum bin ich schon in Georgetown??? Auflösung gibt es im nächsten Blog.


"Eigentlich" wollte ich auf dem Landweg bzw. mit der Fähre von Belém über Macapá nach Guyana, Suriname & Frz. Guayana. Doch angesichts des katastrophalen Straßenzustands (Bild mit aktuellem Bericht) wollte ich dies mir und meiner BMW nicht antun, schon gar nicht wenn ich allein unterwegs bin.


Aber wenn ich schon mal hier bin, lasse ich mir doch nicht die Guayanas entgehen, dachte ich. Und so hab ich kurzerhand auf die "Weichei"-Version umgeplant.


Zum Glück habe ich noch einen der letzten Sitzplätze im Flugzeug der Surinam Airways nach Georgetown bekommen. Von hier werde ich dann in ein paar Tagen nach Paramaribo, der Hauptstadt von Suriname und noch ein paar Tage später nach Cayenne in Französisch Guayana weiterfliegen. 


29. Juli 2015

 

Die letzten 25 Kilometer bis zum Zentrum von Belém waren für mich  anstrengender als die letzten 400 Kilometer auf dem Land. Ein mörderischer Verkehr auf sechs Spuren kennzeichnen mein erstes Bild der 2,3 Millionen Einwohner Stadt. Doch im inneren Zentrum wird es etwas ruhiger, dazu sind die Straßen mit Bäumen gesäumt, die wohltuenden Schatten spenden. Und doch ist es in Motorradkleidung bei 33 Grad im Schatten und 98 % Luftfeuchtigkeit alles andere als angenehm. Und so erkunde ich die Stadt und den Hafen lieber zu Fuß. Natürlich führt mich der Weg zuerst zum Wahrzeichen von Belém, dem "Ver-o-Peso" Markt am alten Hafen. Eine wunderschöne Gußeisenkonstruktion aus dem Jahr 1901 beheimatet heute den großen Fischmarkt der Stadt. Direkt daneben finden sich hunderte Marktstände für alle Dinge des Lebens. Fleisch, Gemüse, Früchte, Obstsäfte, Kleider, Schuhe, ja auch selbstgemachte Medizin und Kräuterheilsäfte finde ich in riesiger Auswahl. Die Gerüche sind exotisch und rauben mir oft den Atem. Eine weitere Zeltstadt lädt an schier unendlichen Essensständen zum Mittagessen ein. Hier in Belém werde ich mich nun ein paar Tage ausruhen und vor allem in Erfahrung bringen wie die Pistenverhältnisse im nördlichen Teil Brasiliens sind. Bisher habe ich darüber nicht besonders gute Informationen erhalten. Von vielleicht machbar bis unpassierbar war alles vertreten.


25. Juli 2015


Es ist eine besondere Stadt, diese Retortenstadt vom Reisbrett. Einerseits faszinierend, großzügig, modern. Andererseits fehlt einfach das Herz, das gemütliche, das Kleine, das Verspielte. Doch ich würde wieder kommen.


Nach drei gemütlichen Tagen in Brasília, tatsächlich fast ganz ohne Motorradfahren liegt nun eine ziemliche Etappe vor mir. Bis nach Belém am Amazonas sind fast 2.000 km zurückzulegen. Ich habe mir mal die Strecke in vier Tagesetappen eingeteilt. Mal schauen wir ich damit klarkomme. Heute morgen noch in Brasília, jetzt schon 550 Kilometer nördlicher. Es war ein anstrengender Tag, denn die Temperaturen sind auf über 33 Grad im Schatten gestiegen. Doch mal ganz ehrlich, wo ist auf der Straße Schatten, Die Temperatur in der Sonne möchte ich lieber nicht wissen.


Richtig fertig bin ich heute. Doch nun heißt es Energie auftanken, denn morgen stehen wieder 500 Kilometer Strecke auf dem Plan.


23. Juli 2015


Nach drei Tagesetappen zu 528 km, 798 km und 574 km, quer durch das Land der Fazendas, der Großlandwirtschaften, bin ich nun in der Hauptstadt Brasiliens, in Brasília angekommen. Eine Retortenstadt, die vom Architekten Oscar Niemeyer in der 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit geprägt wurde. Heute ist Brasília auch UNESCO Weltkulturerbe. Doch so richtig wohl kann ich mir nicht fühlen, zu steril, zu weitläufig, zu überplant wird die Stadt auf mich. Doch die von Niemeyer erbauten Monumente sind wahre Kunstwerke. Morgen und übermorgen ist Motorradfreiertag. Dann werde ich Achse der Stadt erkunden und, ganz ehrlich, auch mal wieder durch die großen Shopping-Center der Stadt bummeln.


20. Juli 2015


Es ist fast unglaublich. Hier in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay komme ich mir fast vor wie in der Heimat, in Deutschland. Nicht nur, dass ich ein kleines Hotel (Aparthotel Porta Westfalica, Asuncion) gefunden habe, dessen Besitzer aus Deutschland stammt und vor 28 Jahren ausgewandert ist, es gibt noch andere unerwartete Dinge zu berichten.


So finde ich in einem Supermarkt fast die gesamte Palette an Lebensmitteln und Marken wie in meinem Heimischen. Dazu frische, herrlich duftendes Brot vom deutschstämmigen Bäcker. Verrückt, es gibt sogar die berühmte Bierkugel, ebenfalls von einem deutschstämmigen, dessen Großvater in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Paraguay ausgewandert ist.


Und zu guter Letzt werde ich auch noch zum "Wintertreffen 2015", einem Motorradtreffen mit Ausfahrt, eingeladen. Und, wie könnte es anders sein, es geht in das Ausflugslokal "Alte Liebe". 


Die nächsten Tage stehen dann leider im Zeichen von etwas Kilometerfressen, denn um nach Brasilia zu kommen sind rund 1.900 Kilometer zu fahren.


Wieder ist trüb und neblig. Doch heute muss ich etwas früher losfahren, will ich doch genügend Zeit für den Grenzübergang nach Argentinien haben. Einige Kilometer nördlich der Stadt zweit die Straße zum Rio Uruguay und zur Grenze ab. Weit und breit ist keine Zollstation zu sehen. Etwas unsicher frage ich mal lieber sicherheitshalber bei den Straßenarbeitern nach. Doch doch alles im grünen Bereich, die Zollabfertigung kommt noch. Ich fahre bereits auf der Brücke über den Fluss, dann auf dem Damm und immer noch nichts, obwohl ich mittlerweile geografisch in Argentinien bin. Ich will schon fast umdrehen als ich ganz in der Ferne Gebäude vernehme. Und in der Tat es ist die Zollabfertigung. Frohen Mutes stelle ich erstmal meine BMW davor ab und versuche den richtigen Schalter zu finden. Uruguay lese ich und will dorthin gehen, allerdings ist an diesem Schalter kein Zöllner zu sehen. Ich werde auch gleich von fünf lustig winkenden Zöllnerinnen und Zöllner einen Schalter weiter herangerufen. Und gleich wird losgesagt, dass mir die Ohren abfallen. Alles wollen sie wissen, aber nicht als Zöllner, sondern aus Neugierde. Irgendwann kramt sogar einer der Jungen ein paar Worte in Deutsch aus. Wir haben möchten Spass. Ich frage zweimal wo ich denn den Zollzettel aus Uruguay abgeben kann. Ganz einfach, meinte die Gruppe, draußen bei der Schranke. Gesagt, getan, auch dort wäre ich jetzt bereit zur Weiterfahrt, aber ich bin immer noch nicht meinen Zettel los. Ich löchere solange bis einem Zöllner einfällt, dass er den Zettel einfach zu einem Zöllner aus Uruguay bringen könnte. Dies war es dann doch, von beiden bekomme ich jetzt zwei erhobene Daumen. Die nächsten rund 200 Kilometer sind unspecktakulär, auf einer, auch deutschen Ansprüchen genügenden, Autobahn geht es flott Richtung Norden. Apropos Deutsch, aller paar Kilometer wird für „La Alemana“ geworben. Erst kann ich mir keine Reim darauf machen, dann wird es konkreter. Es wird Käse, Wurst, Bier, Marmelade und ich weiß nicht was alles geworden. Ich bin gespannt. Kurs danach sehe ich einen Wegweiser der in die Kolonie Alemana zeigt. Das will ich mir ansehen. Eine ziemlich üble Schottenpiste führt ins drei Kilometer entfernte Dorf. Die wenigen Menschen, die ich sehe, und die mir zuwinken, sehen aber eher Indigen als deutsch aus. Aber es gibt eine deutsches Gymnasium und eine Gedächtnisstelle für die gefallenen Matrosen 1914 vor den Malvinas. Auch für die „Hereos“ des 1982 Falkland Krieges der im argentinischen Malvinas bezeichneten Insel im Südatlantik. Mehr kann ich leider nicht finden und so beschließe ich wieder zur Hauptstraße zurückzufahren. Nun holt mich aber Alemana ein. Das „La Alemana“ ist sozusagen ein Hofladen größeren Ausmasses. Beim Näherkommen begrüßt mich lautstark „Rosa Mundel“ und ich kann mich vor Kitsch kaum sattsehen. Oktoberfest im Kleinen, umschreibt es am besten. Da es heute leider regnet ist der Biergarten mit deutschstämmigen Bier leider nicht geöffnet. Das hätte ich mir zu gern angetan. So schlendere ich höchst verwundert durch die Verkaufsegale und wundere mich auf was man alles einen „La Alemana“ Aufkleber anbringen kann. Aber die argentinischen Besucher sind hellauf begeistert und kauf genauso begeistert ein. Rosa Mundel gibt es auch zum Abschied in voller Dröhnung. Mittlerweile hat es wieder stärker angefangen zu regnen und die Temperatur sinkt soweit, dass ich die erste Stufe der Heizgriffe einschalte. Nur noch 25 Kilometer bis zu meinem Etappenziel und ist erst 13 Uhr. Ich überlege mir eventuell doch noch die 120 Kilometer bis in den Nationalpark Iberá zu fahren. Im eigentlichen Ziel, der kleinen Provinzstadt Mercedes sieht es allerdings nicht besonders einladend aus. Sicherlich macht es heute das trübe Wetter, die erdverdreckten Straßen noch schwerer etwas von diesem Ort abzugewinnen. Mir fällt der Entschluss nicht schwer weiterzufahren. Mit großen Hinweistafel ausgeschildert finde ich sogleich die Straße in den Nationalpark. Hatte ich nicht etwas von guter Piste gelesen? Das was ich hier vorfinde ist eine nagelneue Straße, breit mit Mittelstreifen und Randmarkierung. Cool, denke ich, dann bin ich ja schon in einer Stunde vor Ort. Hätte ich nur Nichts gedacht, nach 20 Kilometern endet der Traum. Was nun folgt ist übelste Schotterpiste mit mehr Schlaglöcher als glatten Stellen. Garniert wird das ganze dann noch mit rotem Schlamm. Und dieser rote Schlamm ist glitschig. Mehr als einmal muss ich ordentlich korrigieren um wieder in Spur zu kommen. Mein Schutzengel hat alle Hände voll zu tun. Ich fahre im Stehen, nur so sind die Schläge zu meistern, nur so kann ich sicher fahren. 30, 40, 50 Kilometer, es wird und wird nicht besser. Erst als die Straße etwas erhöhter läuft kann ich mich mal im Sitzen fahrend ausruhen. Schon längst schaue ich nicht mehr auf die Entfernungsangabe des Navi. Endlos zieht sich die Strecke zum Horizont ohne Hoffnung auf ein Ende. Hätte ich dies gedacht, ich wäre in Mercedes geblieben, egal wie das Hotel ausgesehen hätte. Doch umdrehen wäre jetzt auch unklug, also weiter. Den kurz vor mir wegfliegenden Geier, der sich am Straßenrand etwas überfahrenes hat munden lassen, macht auch keinen Mut. Doch die Familie Emus/Nandus ???, zwei Elterntiere mit vier Kleinen heitert merklich auf. Zum Fotografieren sind sie allerdings zu schnell im hohen Schilfgras verschwunden. Dann, erspähe ich doch tatsächlich das Ortsschild, ein paar Häuser und eine Tourismusinformation. Aber erstmal noch ein großes Danke an den wohl gut Motorradfahrenden Schutzengel, der mich nur mit kleinen Problemchen heil hierher gebracht hat. Jetzt gehe ich erstmal zur Information um nach einer Unterkunftsmöglichkeit zu fragen, doch die freundliche Auskunft hilft mir leider nicht wirklich weiter. Entlang der Straße gäbe es Posadas, Hotels und Lodges. Ich fahre die Holperstrecke entlang und entdecke gleich auf der rechten Seite etwas was mich auf den ersten Blick hin anspricht. Ich frage in der Irupé Lodge nach einem Zimmer und hoffe auf eine positive Antwort. Wie froh bin ich, dass ich tatsächlich ein Zimmer, sogar einen eigenen Bungalow, bekomme. Offensichtlich sieht man es meinem Gesicht an, wie ist es sonst zu erklären, dass die junge Frau die den CheckIn macht, mich fragt, ob ich glücklich bin. Oh ja, ich bin glücklich. Da spielt es wirklich keine Rolle, dass ich für eine Nacht mit Abendessen und Frühstück etwa 140 Euro bezahle. Dafür sitze ich gemütlich im großen Raum der Lodge, das Kaminfeuer prasselt geräuschvoll, während draußen der Wind ums Dach pfeift. Vergessen sind die Strapazen der heutigen Strecke, auch weil es aus der Küche verführerisch duftet. Jetzt heißt es nur noch ein wenig Geduld haben, denn auch hier wird erst nach halb neun Uhr gegessen. Was für ein Tag! Was für ein Menu. Eine Eierzwiebelquiche eröffnet das Geschmacksfeuerwerk, als Hauptgang ein in Butter gerösteter frische Fisch aus dem See vor der Türe mit ebenfalls in Butter gebratenen Kartoffel garniert mit vielen Kräuter. Was als Nachspeise folgt ist nur mit „como un siueno“ zu bezeichnen. Ein Karamellmilchcreme auf einem Hauch von Biskuit darüber echte Schokoladestreifen. Und dies alles mitten im Nirgendwo.

Freitag, 10. Juli 2015, 17.41 Uhr Ortszeit.


Unglaublich, auch 32 Tage an Bord eines Frachtschiffes können vorbeigehen. Wenn es auch teilweise schwer war, dass mir die "Decke nicht auf den Kopf gefallen" ist, so möchte ich diese Tage, mit den Menschen an Bord, mit der Crew nicht missen. Und schließlich macht man dies ja auch nicht so oft im Leben. Ein paarmal wurde der Routenplan des Frachters geändert. Am Anfang keimte bei mir die Hoffnung auf, dass ich schneller in Südamerika sein werde als geplant, denn es hieß, Vitória in Brasilien wird direkt angefahren und Dakar ausgelassen.


Doch nach Vitória lagen wir erstmal zwei auf Reede vor Rio de Janeiro, bevor der Liegeplatz für uns frei war. Meist erreichten wir die Städte erst zu sehr später Stunde. Irgendwie fehlte mir aber der Mut nochmal durch die Stadt zu bummeln. Noch ein Hafen in Brasilien war unser Ziel bevor es dann nach Montevideo gehen sollte. So weit so gut, doch es kam anders. Ganz anders. Wir fuhren auf Sichtweite an Montevideo vorbei zu der Flusshafenstadt Zarate in Argentinien. Und dort ging die Warterei erst richtig los. Ein Tag ausladen und dann volle vier Tage NICHTS. Einfach nur warten auf weitere Anweisungen. Die kam dann zwar, aber nur für eine weitere Anlegestelle in Zarte. Dann nochmal zwei Tage. Und zu guter Letzt mussten wir noch einen weiteren vollen Tag vor Montevideo auf Reede liegen. Aber jetzt ist alles "überstanden". Ich bin in Montevideo. Morgen ein wenig Sightseeing. Kurz bei Touratech Uruguay vorbei und dann in Herzen von Uruguay, in wahre Herz des Gaucho Landes. Ich bin gespannt.

33 Tage das Leben an Bord der "Grande Togo"

29. Mai 2015

 

Die Fahrt nach Hamburg, größtenteils über Landstraßen hat richtig Freude gemacht. Besonders entlang der Elbe, auch kleine und kleinste Dörfer. Durch Dörfer in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Abseits der großen Straßen gehen die Uhren noch langsamer. Ganz anders dagegen die quirlige Hansestadt Hamburg. Nicht unbedingt ein Revier zum Motorradfahren. Zu viel Stop and Go, zu viele Ampeln, zu viel Verkehr. Und keine Kurven. Mit U- und S-Bahn oder mit den Linienfähren im Hafen lässt es sich deutlich entspannter durch die Stadt tingeln. Erstaunlich ist der Preis, der Tageskarte der auch für die Linienfähren gilt, mit moderaten 6,00 Euro.

 

Heute morgen bekam meine BMW noch neue Reifen montiert, damit sie auch für die ungeteerten Nebenstraßen in Brasilien gut ausgestattet ist.

 

Jetzt könnte man glauben, es kann losgehen mit der Überfahrt nach Montevideo. Doch leider gibt es nicht so gute Neuigkeiten der Reederei. Mein Schiff ist mindestens zwei Tage verspätet. Also noch ein paar Tage mehr in Hamburg. Aber ist dies wirklich so schlimm. Genieße ich einfach diese Stadt, genieße ich einfach das Alte Land auf einer ausgedehnte Motorradtour, genieße ich es einfach an der Küste zu sitzen und verträumt aufs Meer hinaus zu schauen.

Good bye Bodensee
Good bye Bodensee

22. Mai 2015

 

Das Abenteuer geht los. Mit zwei mal 38 Liter Aluboxen und einer Gepäckrolle geht es auf die Südamerikaumrundung. Es ist schon erstaunlich mit wie wenig ich auskommen kann und doch fehlt nichts. Neben der heute üblichen Technik, die man mit herumschleppt, ist erstaunlicherweise genügend Platz für Kleidung, Waschbeutel & vielem mehr. 

 

Nun liegen rund 850 Kilometer, allerdings größtenteils auf normalen Landstraßen, vor mir. Hamburg heißt das Ziel. Dort liegt dann in der nächsten Tagen das Frachtschiff am Kai welches mich zusammen mit meiner BMW nach Südamerika bringen wird. Doch bis dahin bleibt noch genügend Zeit die Schönheiten der Hansestadt zu genießen. Und natürlich auch gut zu essen, wie zum Beispiel im Schanzenstern Bio-Restaurant. Oder eine gemütliche Motorradtour durchs Alte Land.